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85Ü Zweites Buch. Die Neugestaltung des Wirtschaftslebens.
B. Der Hausierhandel.
Vorbemerkung.
Die Litteratur ist dürftig; es fehlt vor allem an Arbeiten, die demHausierhandel in seiner entwieklungsgeschichtlichen Bedeutung gerecht würden.
Der Mehltau der „ethischen“ Betrachtungsweise legt sich auch hier frühzeitig
auf die zarten Keime wissenschaftlicher Erkenntnis. Die Folge ist, dafs die
neuesten Schriften kaum über die Aufsätze Justus Mosers hinausgekommen
sind, deren Titel für alle Abhandlungen über den Hausierhandel noch heute y
die Art zu disponieren kennzeichnen:
1. Klage wider die Packenträger;
2. Schutzrede der Packenträger;
3. Urteil über die Packenträger.
Vgl. Patriotische Phantasien. 1780. Bd. I. S. 219 f. Mir ist kein Punktvon Bedeutung gegenwärtig, den die neuere Litteratur den Möserschen Be-trachtungen hinzugefügt hätte. Viel brauchbares Material hat die Enquete desVereins für Socialpolitik zu Tage gefördert. Ihr Titel: a) „Untersuchungenüber die Lage des Hausiergewerbes in Deutschland.“ 5 Bände. 1898/99. CitiertII. 1, 2 u. s. w. b) „Untersuchungen über die Lage des Hausiergewerbes inilsterreich.“ 1899. Citiert: HOe. c) „Untersuchungen über die Lage des Hausier-gewerbes in Schweden, Italien, Grofsbritannien und der Schweiz.“ 1899. Die„Untersuchungen“ bilden in obiger Reihenfolge die Bände 77 bis 83 der Schriftendes Vereins für Socialpolitik. Letzterer hat das Thema auf seiner am 25.,
26. und 27. September 1899 in Breslau abgehaltenen Generalversammlung ab-gehandelt (Referent W. Stieda). Die Verhandlungen bilden den 86.Band der f
Schriften. Professor Stieda, der verdiente Leiter der eben erwähnten Enquete,hat über deren Ergebnisse aufserdem in einem Vortrage in der Gehe-Stiftungreferiert, der separat u. d. T. „Das Hausiergewerbe in Deutschland“ erschienenist (1899). Am umfassendsten ist das Thema in der neueren Litteratur be-handelt von H. Röfsger, Eine Untersuchung über den Gewerbebetrieb imUmherziehen in den Jahrbüchern für Nationalökonomie. III. Folge.
Band XIV (1897), S. 1-55. 204—269.
Die Hausiererei ist eine uralte Form des Güterabsatzes; er-heblich älter wahrscheinlich als der Marktverkehr und zu allenZeiten auftretend, wenn es gilt, die auf dem Lande hergestelltenbäuerlichen Nebenprodukte oder die Erzeugnisse specialisierterHandwerke an den Mann bezw. an die Frau zu bringen 1 . Wir
1 Sc. ehe sie der hausindustrielleii Organisation anheimfallen: „DerPackenträger ist ein wichtiger Mann für solche Fabriken (lies Handwerker),denen es an einem grofsen Verleger mangelt.“ J. Möser , a. a. 0. S. 222.Über den vorkapitalistischen Hausierhandel in Deutschland verbreitet sichErhr. von Ulmenstein, Über einige Zweige des Handelsverkehrs, und ins-besondere über den Hausierhandel in Raus Archiv der politischen Ökonomieund Polizeiwissenschaft. Bd. I (1835), S. 215 ff. Mancherlei Ergänzungenhierzu bringen die Untersuchungen des V. f. S.-P. Ein besonders ergiebigesFeld bilden die Jahrhunderte alten Klagen der ortsangesessenen Krämer und
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