Zwanzigstes Kapitel. Die Neuorganisation d. sefsliaften Detailhandels . 371
Lohn für seine Mühewaltung, der Lohn für persönlichen Dienst imöffentlichen Wohl.
Vansen: So seid ihr Bürgersleute: Ihr lebt nur so in den
Tag hin, und wie ihr euer Gewerb’ von euren Eltern überkommenhabt, so lafst ihr auch das Regiment über euch schalten und walten,wie es kann und mag . . .
Soest: Wer denkt da dran? wenn Einer nur das täglicheBrot hat.
B. Die Genesis des kapitalistischen Detailhandels.
Und nun hat der Kapitalismus auch dieses Idyll ruhiger Be-schaulichkeit, hat er auch diese Stätte behaglichen Türkentumslängst in seiner rücksichtslosen Art zerstört, und hat Unrast,heberhafte Thätigkeit, Nervosität an die Stelle gesetzt, wo ehedemfriedliche Genügsamkeit, gesättigtes Dasein herrschten. Das gingaber so zu.
Wir wissen, wie sehr es im Wesen kapitalistischer Produktionbegründet ist, dafs sie mit ihrem Angebot an Waren stets derNachfrage vorauseilt; wir wissen, dafs die durch die Errungen-schaften der modernen Technik ins Grenzenlose gesteigerte Pro-duktivität in der eigentümlichen Organisation unseres Wirtschafts-lebens zunächst eine Verschlechterung der Marktverhältnisse fürden Produzenten und dementsprechend bald auch für den Händler,erst den Grofs-, dann aber auch den Kleinhändler bedeutet: esmüssen mehr Waren an den Mann gebracht worden, das bedeutetfür jeden einzelnen Warenbesitzer, er mufs dein anderen, der eben-falls den Anspruch erhebt, seine Ware abzusetzen, zuvorzukommensuchen: es entsteht somit der Konkurrenzkampf, der dann seinenrechtlichen Ausdruck in der freiheitlichen Rechtsordnung findet.Der Konkurrenzkampf wird um so hitziger entbrennen, je gröfserdie Zahl der um die Kundschaft Kämpfenden wird: wie wir sahen,ist aber gerade der Detaillistenstand einer starken Vermehrungausgesetzt gewesen. Und der Konkurrenzkampf wird um so inten-siver geführt, wird um so allgemeiner werden, je rascher dank dermodernen Verkehrsentwicklung sich ein Ausgleich der örtlich ur-sprünglich verschiedenen Güterpreise durchsetzt: eine Thatsache,die sich immer mehr in unserer Zeit vollzieht. Zu dieser Er-schwerung des Absatzes infolge gesteigerten Angebots kommt nuneine Erschwerung des Handelsbetriebs infolge der stetig sichsteigernden Menge verschiedenartiger Waren, sowie des unaus-gesetzten Wechsels ihrer Beschaffenheit und ihres Preises, wie sie
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