Zwanzigstes Kapitel. Die Neuorganisation d. sefshaften Detailhandels . 375
schaft“ eingegangen werden. Nur einen Hinweis möchte ich mirgestatten: das ist die grofse Bedeutung, die der Verbindung derKunst mit der Reklame beizumessen ist. Sie ist erst im letztenMenschenalter erfolgt durch die Ausbildung des künstlerischenPlakats 1 . Der Ausgangspunkt des modernen Plakats ist Frank-reich, das seine Anregung wiederum von Japan erhalten hat ;sein rechtmäfsiger Vater Jules Cheret . Was seit den ersten Ver-suchen Cherets durch die Guillaume, Georges Meunier, Hugo d’Alesi,Th. A. Steinlen, Felix Valloton, Boutet de Monvel, MauriceRealier-Dumas und viele andere allein in Frankreich an künstleri-scher Ausgestaltung der Affiche geleistet worden ist, ist ganzenorm. Seitdem ist es auch in anderen Ländern mehr und mehrüblich geworden, Plakate zu Kunstwerken auszugestalten, lnDeutschland kann man von einem Kunstplakat erst seit dem Jahre1896 sprechen. Bahnbrechend haben bei uns vornehmlich diemodernen Kunstzeitschriften gewirkt. Eines der ersten künstlerischenPlakate war das für den „Pan“, der auch bereits im Jahre 1896einen Aufsehen erregenden Artikel über moderne Plakate brachte;es folgten die „Jugend“, der „Simplicissimus“, mit dem ThomasTheodor Heine emporgetragen wurde, vielleicht der genialste derlebenden Plakatzeichner: man erinnere sich der „Dame mit Teufel“,der beiden roten Bulldoggen auf schwarzem Felde, mit denen der„Simplicissimus“ zuerst angezeigt wurde. Neben Heine ist jetzteine ganze Schar talentvoller Künstler im Dienste der Reklamethätig: Sütterlin, der das Hammerplakat für die Berliner Gewerbe-ausstellung schuf, der erfindungsreiche Edel, Carl Schnebel undviele andere, darunter die ersten Namen der Künstlerwelt. Einemächtige Förderung hat das Plakatwesen dadurch erfahren, dafsjetzt auch eine Reihe von Kunstanstalten wie Hollerbaum undSchmidt in Berlin , Wilh. Hofmann und Leutert und Schneidewindin Dresden sich den Intentionen der modernen Künstler haben an-zupassen vermocht. So ist die Reklame drauf und dran, nicht nurein unentbehrliches Glied im wirtschaftlichen Mechanismus, sondernauch ein bestimmender Faktor in unserem modernen Kulturlebenzu werden.
Für die engeren Zusammenhänge aber, deren Aufdeckung unshier in erster Linie am Herzen liegt, noch wichtiger als die Re-klame, die das Publikum heranzuziehen bestimmt ist, sind doch
1 Vgl. das schöne Werk von Jean Louis Sponsel, Das modernePlakat. 1897.