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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
Entstehung
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Zwanzigstes Kapitel. Die Neuorganisation d. seßhaften Detailhandels . 383

geübten und arglosen Käufer, namentlich der niederen Volksklasse,reizt vor allem die Frauenzimmer, sich an der Veranstaltung zubeteiligen. Wie dann, wenn das Opfer erst glücklich im Vor-steigerungslokal sich befindet, das Uberbietungsfieber alle An-wesenden sofort befällt, ist bekannt. So kommt zu der Anziehungs-kraft, die die Auktion übt, die Tendenz zu hohen Verkaufspreisen,die sie dem Veranstalter lukrativ erscheinen läfst.

Dafs aber nun auch in zahlreichen Fällen die Auktionswaregleicher Güte billiger sein kann, als dieaus freier Hand imständigen Geschäft verkaufte, dürfen wir nicht in Zweifel ziehen:vor allem ist es die erhebliche Beschleunigung des Kapitalumschlages,die eine Herabminderung der Spesen und des Zuschlags sehr wohlherbeiführen kann; es kommen Ersparnisse an Miete (für Lager-räume), an Personal, Laden- und Schaufensterausstattung und ähn-lichen Kosten hinzu.

So dafs wir uns in Summa nicht zu wundern brauchen,wenn wir eine wachsende Bedeutung des Auktionsgeschäftes inunserer Zeit beobachten. Der Veifasser der obengenannten Schrifthat sich der Mühe unterzogen, für die Zeit vom Juli 1898 bisDezember 1899 eine Zusammenstellung der Waren zu machen, dienach den bei der Königl. Polizeidirektion eingereichten Versteigerungs-anzeigen in München zur Versteigerung angemeldet worden sind 1 .Die Übersicht läfst deutlich erkennen, wie selbst in diesem kurzenZeitraum die Mengen und Branchen der versteigerten Waren vonMonat zu Monat anwachsen. Wer nicht aus eigener Anschauungdie rasche Ausdehnung dieses modernen Auktionsgeschäfts verfolgthat, wird verblüfft sein, wenn er die Liste der nach vielen Tausendenzählenden Gegenstände aller Branchen überblickt, die schon heutein einer einzigen Stadt auf dem Wege der Versteigerung ihrer Be-stimmung zugeführt werden.

3. Das Abzahlungsgeschäft.

Wir haben seiner Zeit, als ich von den Umgestaltungen derKonsumbedingungen in kapitalistischer Zeit sprach, feststellenkönnen, dafs durch eine Reihe von Umständen grofse Massen derBevölkerung neuerdings überhaupt erst in den Stand gesetzt werden,als Käufer gewerblicher Erzeugnisse auf dem Markte zu erscheinen.Das gilt insbesondere von den A r orstadtbewohnern unserer grofsenStädte. Diese eben kaufkräftig werdenden Schichten befinden sich

1 Max Süfsheim, a. a. 0. S. 1326.