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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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Drittes Buch. Die Theorie des gewerblichen Konkurrenz.

die gewerblichen Produzenten, sagen wir eine natürliche Monopol-stellung einnahmen, sei es wegen Mangel an geeigneten Produzentenüberhaupt, sei es wegen der gering entwickelten Produktivität derArbeit oder der Unmöglichkeit einer Dislocierung der Produkte.Woraus wir zu folgern haben, dafs ein bestimmter Entwicklungs-grad der Bevölkerung in quantitativer und qualitativer Hinsichtebenso wie eine bestimmte Entwicklungshöhe der Produktions- undTransporttechnik weitere Bedingungen für die Möglichkeit undWirklichkeit der Konkurrenz seien. Aber damit nicht genug.Damit der Wettbewerb um die Kundschaft die Bedeutung einersocialen Thatsache, eines Massenphänomens gewinne, mufs es Mittelund Wege geben, die Darbietung der Güter unter fortgesetzt ver-änderten Bedingungen vorzunehmen, müssen Qualitätsverbesserungenund Preisermäfsigungen aus der Sphäre individueller Zufälligkeitherausgehoben und zu einer jedermann principiell zugänglichenMöglichkeit geworden sein. So lange es an der einen Stelle in derStadt nur darum bessere oder billigere Semmeln giebt, weil derMeister Kunz eine ordentliche Frau hat und selbst das Backen inFrankreich oder in Italien gelernt hat oder der Schneidermeister Fipsdie besten und billigsten Anzüge liefert, weil er gerade das Zuschneidenversteht, aber ein schlechter Rechner ist, der die Unterbilanz seinergewerblichen Thätigkeit nur darum auf die Dauer erträgt, weil ervon seinem Schwiegervater ein hübsches Anwesen am Marktegeerbt hat so lange giebt es keine Konkurrenz als sociale Er-scheinung. Sie wird erst möglich, wie gesagt, wenn Überbietungoder Unterbietung bei der Warenlieferung oder Preisgestaltung injedem einzelnen Falle von den Zufälligkeiten des Persönlichenbefreit sind.

Um die Bedeutung dieser entscheidend wichtigen Voraus-setzung wirklicher Konkurrenz ganz zu ermessen, müssen wir unszunächst klar machen, in welchen Richtungen sich ein Wettbewerbüberhaupt bethätigen kann, und auf welche Gründe der Sieg deseinen von beiden jeweils zurückzuführen ist. Wir gewinnen damitgleichzeitig die Disposition für die Behandlung unseres Themas.Ein Konkurrent siegt entweder ob, weil er bessere Leistungenprästiert, oder deshalb, weil er billiger liefert, also ein geringeresÄquivalent vom Käufer fordert: ein Drittes giebt es nicht. BessereLeistungen prästiert er, weil er entweder bessere Ware, oderWare besser liefert, als sein Gegner: ein Drittes giebts nicht.Im Preiskampfe obsiegen kann ein Konkurrent, entweder weil erformal oder weil er materiell überlegen ist. Materiell überlegen ist