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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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Drittes Buch. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.

Löhne bezahlt werden und diese die besseren Arbeitskräfte an-ziehen. Ich stelle aufs Geratewohl eine Liste solcher Zeugnisse ausunseren Quellen zusammen: Klempner in Salzwedel 1 , Lohgerber inPrenzlau 2 3 , Tischler in Köln 8 9 , in München 4 , Klempner in Jena 5 ,Bäcker in Breslau 6 eine Liste, die sich leicht vergröfsern läfst.Für Österreich liegen dieselben Urteile in ziemlich allgemeinerFassung vor:Der kleine Gewerbsmann ... ist ... in der Regelnicht in der Lage, den qualifizierten Arbeiter ... zu halten, daer ihm zu teuer kommt . . . u. s. w. 7 .

Oder aber es sind andere handgreifliche Vorzüge, die diekapitalistische Unternehmung für den Arbeiter vor dem Handwerkauszeichnen, grölsere Stetigkeit der Beschäftigung s , kürzere Arbeits-zeit 8 und dergl. mehr, gröfsere Mannigfaltigkeit oder Annehmlich-keit der Thätigkeit 10 .

Dafs das Handwerk in allen diesen Punkten der kapitalistischen Unternehmung nachstehen mufs, ist klar. Diese kann zumal diequalifizierte Arbeitskraft höher bezahlen, bezw. sich mit kürzererArbeitszeit begnügen, weil, wie wir noch genauer sehen werden,sie im ganzen die Produktivität der Arbeit steigert, sich aber desweiteren noch infolge Diflferenzierung der Arbeitsleistung durchErsparung am Lohn für andere Arbeitskräfte, Zuschufsbeträgefür die Löhne besserer Arbeiter verschafft, wie ebenfalls noch ein-gehend nachgewiesen werden wird.

Nun sind aber oft genug die Vorteile, die die kapitalistischeUnternehmung dem besseren Arbeiter gewährt, keineswegs so hand-greiflicher Natur, wie kürzere Arbeitszeit, höherer Lohn. Und ergeht doch vom Handwerk weg. Vielleicht weifs er sogar, dafs inseiner Branche derGrofsbetrieb keine höheren Löhne zahlt, keine

1 U. I, 147.

2 U. I, 127.

3 ü. I, 280.

4 Thurneyssen, a. a. 0., 142.

5 U. IX, 80/81.

6 U. VII, 124 f.

7 Waentig, a. a. 0., 278 (nach Enqueteberichten).

8 Maler in Berlin U. VII, 220. Für Österreich Waentig, 345.In allenBranchen, wo er hochqualifizierte Hilfskräfte bedarf, entreißt der Großbetriebdem Handwerk seine besten Gesellen, die im allgemeinen diesem Rufe um sobereitwilliger folgen, als die großindustrielle Produktion . . . sich im ganzengrößerer Stetigkeit erfreut.

9 U. VII, 124 f. E. Francke, a. a. O., 194 ff.

10 U. VII, 220; IX, 80/81.