Fünfundzwanzigstes Kapitel. Die Qualität des Dargebotenen. 449
kürzere Arbeitszeit hat, und dennoch geht er zum kapitalistischenUnternehmer. Es müssen also noch andere, tiefer unter der Ober-fläche wirksame Gründe vorhanden sein, die jene Bewegung erzeugen,ähnlich wie wir solche am Werke fanden, als wir nach den Ur-sachen des Zugs nach der Stadt forschten.
In der That brauchen wir nicht lange zu suchen. Was zu-nächst aufser jenen besseren Arbeitsbedingungen in der Gegenwartden Arbeiter zur Grofsindustrie hinzieht, ist die Hoffnung aufeine weitere Verbesserung seiner Lage in der Zukunft. Dertüchtige, strebsame Arbeiter kann in der kapitalistischen Industrie,zumal in bestimmten Branchen, wie der Metallindustrie, viel weitervorwärts kommen, als im Handwerk heutzutage. Er kann zuhöheren Lohnbezügen gelangen, wenn er die wertvollere Arbeit inden grofsen Betrieben verrichtet, er kann in die Stellung eines jenerSpecialisten einrücken, von denen ich vorhin sprach, er kanneinen Werkmeisterposten erringen und dergl. mehr und damit sicheine Position verschaffen, wie sie das niedergehende Handwerk ihmnie mehr zu gewähren vermag, so gleisnerisch auch die äufserliche„Selbständigkeit“ ausschaut.
Allerdings setzt solcher Art Wertung der beiden Existenz-möglichkeiten bei dem Arbeiter schon eine Wandlung in seinemsocialen Ideal voraus. Eine solche hat sich nun aber in derThat vollzogen und vollzieht sich täglich in immer gröfserem Um-fange. Mehr und mehr bilden sich die Anschauungen von Wertund Unwert der ökonomischen Existenzbedingungen zu Gunstender kapitalistischen Produktionsweise um. Schon heute erscheintdie Arbeitsweise im gesellschaftlichen Grofsbetriebe in vielenBranchen dem Arbeiter als die höhere. So heifst es beispielsweisevon der Grofstischlerei: „Hier hat der Arbeiter die Annehmlichkeitder Maschine mehr zu seiner Verfügung als dort; in der kleinenWerkstatt mufs er reparieren, polieren, in allen möglichen Sättelnsitzen und erhält doch keine Arbeit, an der er sich weiter bildenkann. In der Fabrik ist die Arbeit einheitlicher; der Arbeiter siehtund lernt mehr 1 .“ . . . Man darf aber nicht vergessen, dafs schonheute, wie wir aus unserer Übersicht im ersten Bande wissen, dasHandwerk oft genug nur noch Stümper- und Flickarbeit zu ver-richten hat, während die schwierigste und kunstvollste Arbeit dengrofsen Unternehmungen anheimgefallen ist. Treibt dieser Umstanddie besten Arbeiter aus ihm heraus, so bedeutet dies abermals einen
1 U. III, 353.
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