Sechsundzwanzigstes Kapitel.
Handwerk und Kunstgewerbe.
Wenn es richtig ist, was diese Blätter erweisen sollten, dafsdie kapitalistische Unternehmung in so vielen Fällen die höherqualifizierte Leistung zu prästieren vermag, so werden wir ihrrasches Vordringen in den höheren Sphären der Güterproduktionbegreiflich finden, in Anbetracht der Verfeinerung, die unser Bedarf,wie wir wissen, während der letzten Menschenalter erfahren hat.Gerade auch die Entfaltung des Kunstgeschmacks hat demHandwerk in wohl allen Branchen jede Existenzmöglichkeit definitivbenommen. Wie sehr die Richtigkeit dieses Schlusses durch dieErfahrung bisher bestätigt worden ist, haben die Darlegungenim 24. Kapitel des ersten Bandes zur Genüge erwiesen. Seit derSinn für Luxus und Schönheit erwacht ist und die Herstellung derGebrauchsgegenstände prachtvoller und geschmackvoller erfolgt,haben die bekannten „Freunde des Handwerks“ unaufhörlich ihrenSpruch wiederholt: nun ist die Zeit für das Handwerk wieder-gekommen. Und seit eben jener Zeit der Neugestaltung unseresBedarfs ist — aus Gründen, die mit Händen zu greifen sind —das Gegenteil jener Prophezeiungen eingetreten. Sodafs man zuder Ansicht kommen konnte: die Phrase von der Renaissance einesKunsthandwerks sei nun definitiv überwunden. Aber eingewurzelteIrrtümev, zumal wenn sie von mächtigen Interessengruppen gepflegtwerden, sind widerstandsfähiger gegen den Einflufs der nüchternenÜberlegung, als man gemeinhin glaubt. Jener Wahn von derWiedergeburt des Kunsthandwerks ist denn auch heute noch nichtverschwunden. Ja, er hat auch in Kreisen, die den specifischenHandwerkerinteressen fern stehen, neue Nahrung gefunden, seit-dem sich jene uns bekannte Wandlung in der Stellung derKünstler zu den angewandten Künsten vollzogen hat, seitdem
29*