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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
Entstehung
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Sechsundzwanzigstes Kapitel. Handwerk und Kunstgewerbe. 453

arbeiten solle und ihm zur Seite vier, mindestens drei Gesellenarbeiteten, dieredlich und künstlich zu solcher Arbeit seien.Was uns Vasari von der Thätigkeit des Niccolö Grosso Caparraerzählt, läfst uns diesen Meister der Schmiedekunst als echtenHandwerker erscheinen, für den Simone il Cronaca die Zeichnungenlieferte b Und von so manchem anderen berühmten Plattner oderGoldschmied oder Schnitzer oder Steinmetzen ist uns genug über-liefert, um seine Handwerkerqualität aufser Frage zu stellen.

Aber was besagt dies alles zu Gunsten einer handwerksmäfsigenOrganisation des modernen Kunstgewerbes? Will man gar nichtin Rücksicht ziehen, dafs jene vergangenen Jahrhunderte für denschaffenden und ausführenden Künstler ganz andere Bedingungenboten als unsere Zeit? Wir brauchen uns ja nur der früher ge-schilderten Eigenarten des Wirtschaftslebens jener Zeiten zu er-innern, um dies einzusehen.

Was die künstlerisch veranlagten Produzenten im Mittelalteran wirtschaftlicher Organisation vorfanden, war, wie wir wissen,das Handwerk: eine Produktionsordnung, die auf der Basis derempirischen Technik eine Summe von Handfertigkeiten um diePersönlichkeit eines isolierten oder mit wenig Hilfskräften operieren-den Arbeiters, als deren Emanation sie erscheinen, zu berufsmäfsigerAusübung gruppiert hatte. In diesem Handwerkermilieu waren alleKünstler selbst aufgewachsen. Es ist bekannt, dafs auch Malereiund Bildnerei bis in das späte Mittelalter hinein in den Formenund dem Geiste der übrigenHandwerke ausgeübt wurden, mitdenen sie vielfach zu gemeinsamen Zünften zusammengeschlossenwaren.

In Florenz finden wir die Maler und sonstigen Techniker, diebei der Möbelanfertigung mitwirkten, in der Genossenschaft vonS. Luca (seit 1349). Dasselbe gilt von anderen Städten Italiens. In Venedig hatte man später Mühe, die Sattler, Schilderer undSäckler aus der Malerakademie herauszuprozessierenb Die gröfstenBildner Orcagna, Donatello, Brunelleschi, Ghiberti gingen aus derGoldschmiedezunft hervor und waren selbst geschickte Goldschmiede 3 .

1 Vgl. Gior. dAdda, Art et industrie au XVI. sc. in der Gazette desBeaux Arts 2. per. 14, 101.

2 Semper, Der Stil 2 1 2 (1879), 317.

3E per molti anni fu di sorte questa cosa in uso che eziandio i piüeccellenti pittori in cosi fatti lavori si esercitavano senza vergognarsi comeoggi molti farebbono di dipignere e mettere doro simili cose. G. Vasari ,Vita di Dello in den Vite 2 (1771), 30.