454
Drittes Buch. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.
In anderen Ländern finden wir noch im 15., 16. und 17. Jahr-hundert diese Eingliederung aller Künstler in Handwerkerzünfte.
Hans Schühlein, als Maler Eyckscher Technik bekannt, war1473 Altmeister der vereinigten Zunft der Maler, Bildschnitzer,Glaser und Briefdrucker 1 . Jehan Barbe, den wir beim Bau desSchlosses Gaillon beschäftigt finden (1456—1463), war „peintre,verrier et doreur“ in einer Person; „l’ouvrier ne se separait pas del’artiste“ 2 . In derselben Zeit bildeten die Maler mit den Zimmer-leuten in Rouen zusammen eine Zunft; Stubenmaler und „Kunst-maler“ sind noch nicht geschieden 3 .
In Deutschland waren häufig Goldschmiedekunst und Malereizünftig geeint. Der Strafsburger Goldschmiedezunft gehörten andie Goldschmiede, Maler, Sattler, Glaser, Schilterer, Hämischer,Armbruster, Bildschnitzer, Goldschläger 4 * . In den S. Lucasbrüder-schaften finden wir meist die Maler zusammen mit den Schilderern,den Bildschnitzern, den Glasern und Glasmalern, die Buchbinder,die Spiegler, die Armbruster, die Seidennähter und Wappensticker,die Permenter, Aufdrucker, Kartenmaler u. a. 6 .
Also die Künstler jener Zeit wufsten es gar nicht anders, alsdal's sie selbst den Handwerker spielten, selbst mit dem Schurzfellbekleidet die Arbeit verrichteten. Dal's diese selbst aber auf andereWeise als mit handwerksmäfsiger Technik hätte ausgeführt werdenkönnen, stand ja aufser dem Bereich der Möglichkeit: es gabkeine andere Verfahnmgsweise als die von den Handwerkern selbstin jahrhundertelangem Probieren, in Anpassung an ihre höchst-persönlichen Fähigkeiten entwickelte Technik. Keine chemischenProzesse, keine Maschinen, keine Differenzierung der Arbeits-verrichtungen hätte auch nur einen einzigen Handgriff des Meisterszu ersetzen vermocht. Ein Kunstwerk hätte auf gar keine andereWeise entstehen können als durch die Selbstarbeit eines Arbeiters,des Künstlers selbst oder dessen, der ihn vertrat. Deshalb bildetesich auch das Schönheitsideal ausschliefslich an dieser höchst-persönlichen Arbeitsweise aus. Die möglichst weitgehende Durch-dringung des Stoffes mit der Persönlichkeit des Meisters mufste
1 Knackfufs, Deutsche Kunstgeschichte 1 (1888), 480.
2 A. Deville, Comptes de Depenses de la construction du Chateau deGaillon in der Collection de doc. inedits sur l’hist. de la France III. sdr. 1850.pag, CXXXII.
3 A. Deville, 1. c. pag. CXXVII.
4 Hans Meyer, Die Strafsburger Goldschmiedezunft. 1881. S. 159. 187.
B H. Knackfufs, a. a. 0. S. 395 ff.