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Drittes Buch. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.
Erwerbszweig beschränkt, es fanden sich in ihnen Männer, welche. . . ihr Meisterstück in mehreren Künsten zu machen wufsten.Der innige Zusammenhang, welchen die auf verschiedenen Gebietenschaffenden Künstler in diesen Vereinigungen fanden, trägt mit beizur Erklärung eines der grofsartigsten Vorzüge des gotischen Zeit-alters, der vollendetsten Stileinheit nämlich, welche sämtliche Künstezu wunderbarer Harmonie verband 1 .“
Will also der Künstler heutzutage der gewerblichen Produktionwiederum einen Hauch seines Geistes zu teil werden lassen, so wirdes unmöglich auf jene urwüchsige Weise geschehen können, dafser wieder Handwerker mit den Handwerkern im Guten und imSchlechten wird. An dieser Metamorphose hindert ihn nun aberauch eine vielleicht noch bedeutsamere Veränderung, die sich seitden Zeiten des Mittelalters vollzogen hat: die Wandlung derTechnik und der Arbeitsorganisation. Damals konnteein Gegenstand nur auf eine Weise — in handwerksmäfsigerRoutine — hergestellt werden; heute kann er auch mit allenChikanen einer weitentwickelten Differenzierung der einzelnenArbeitsvemchtung auf breitester kooperativer Basis, mit Hilfe desmaschinellen Verfahrens, unter Benutzung einer Jahrhunderte langim Dienste des Wirtschaftslebens arbeitenden Technologie hergestelltwerden. Es ist also nicht eine Selbstverständlichkeit, dafs kunst-volle Thätigkeit handwerksmäfsig ausgeübt wird, wie noch in denZeiten der Renaissance in den meisten Fällen; es mufs vielmehrin bewufster Überlegung eine Wahl getroffen werden: obman zum Zwecke vollendeterer Herstellung eines Gegenstandes sichdie Errungenschaften der modernen Produktionsweise zu nutzemachen oder zu den Verfahrungsweisen der Alten zurückkehren will.
Da ist denn nun zuvörderst zu bemerken, dafs für sehr vieleZweige kunstgewerblicher Thätigkeit diese Alternative für jedenhalbwegs vernünftigen Beurteiler seit langem und wohl für immerentschieden ist zu Gunsten der modernen, allein auf grofsbetrieb-licher Basis denkbaren Produktionsweise und dafs dieser Entscheidauch von niemandem ernstlich beanstandet wird. Hierhin gehörendie Keramik, die Glasindustrie, die Bronzewarenindustrie, dieTeppichweberei, die Tapetenfabrikation, die Industrie der Be-leuchtungskörper, die Leder- und Papierfabrikation, die poly-graphischen Industrien und andere Zweige des Gewerbewesens, aufdenen sich in unserer Zeit gerade eine besonders rege künstlerische
1 Knackfufs, a. a. 0. 1, 436.