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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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Drittes Buch. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.

Webereien, Glasfabriken u. s. w. stehen, für die seit langem die Läuger,Christiansen, Behrens, Eckmann e tutti quanti die Entwürfe liefern.Dafs also ein Zusammenarbeiten von Künstler und Grofsindustriesehr wohl möglich sei, war längst erwiesen. Blieben die be-rühmtenVereinigten Werkstätten , von denen ich so viel Wider-sprechendes gehört hatte, dafs ich mir thatsächlich keinen rechtenVers auf sie machen konnte.

Erst eine persönliche Inaugenscheinnahme dieser Einrichtungin München und eine gründliche Aussprache mit ihrem derzeitigenDirektor, Herrn Professor Krüger, gaben mir die erwünschte Auf-klärung. Und das Ergebnis? Die Organisation der VereinigtenWerkstätten ist der allereklatanteste Beweis für die Richtigkeit dervon mir immer vertretenen Auffassung, dafs heute gerade diehöchsten Ansprüche künstlerischer Inspiration imKunstgewerbe jede handwerksmäfsige Produktions-weise ausschliefsen, dafs die Künstler dort, wo sie sich freientscheiden zwischen den verschiedenen Wirtschaftsformen, selbst-verständlich die grofsindustrielle Unternehmung, und zwar je gröfserdesto lieber, wählen und niemals den Handwerksmeister alten Stils;gerade weil ihnen dort die Erfüllung ihrer Wünsche am ehestengewährleistet erscheint.

Was nun aber dieVereinigten Werkstätten so interessantmacht, ist der Umstand, dafs sie den ersten Versuch gröfserenStiles darstellen: eine Organisation zu schaffen, um dieDurchdringung der gewerblichen Produktion mitkünstlerischem Geiste auf der Basis der modernen(grofsindustriellen) Wirtschaftsorganisation und so-mit also auch der modernen Technik zu einer dauern-den und selbstverständlichen zu machen. Wollte derKünstler im Mittelalter kunstgewerblich thätig sein, so band er sichdas Schurzfell vor und stellte sich selbst an Hobelbank und Schraub-stock: was blieb ihm anderes übrig? Will der moderne Künstlersich in den Gebrauchsgegenständen des täglichen Lebens ausleben,so macht er es ganz anders: dafür sorgen dieVereinigten Werk-stätten, deren Organisation in den Grundzügen diese ist:

An einer Centrale sind aufser der wirtschaftlichen Leitung eineReihe von Zeichenbüreaus errichtet. In diese liefert der Künstlereine flüchtig hingeworfene Skizze sage eines Kandelabers odereines Teppichs ein. Nebenbei: entweder gegen bare Bezahlungeines einmaligen Honorars oder gegen Anteil am Gewinn. DieseSkizze wird nun von geübten Zeichnern ausgeführt und in dem