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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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Sechsundzwanzigstes Kapitel. Handwerk und Kunstgewerbe. 459

entsprechend grofsen Mafsstabe als Werkvorlage zugerichtet. DieZeichner specialisieren sich thunlichst nach den verschiedenenKünstlern. So giebt es Zeichnerspecialisten für Pankok , fürObrist u. s. w., die genau sich in die Intentionen des betreffendenKünstlers eingelebt haben, jeden Schnörkel, jede Schattierung inder Originalskizze sofort zu deuten wissen und die aufserdemwährend der Übertragung der Skizze in die gröfsere Vorlage inunausgesetzter persönlicher Fühlung mit dem Künstler selbst bleiben.Dieser bestimmt denn auch genau das Material: die Farbe derHölzer, der Fäden u. s. w. Ist auf solche Weise die Werkvorlagevollendet, so beginnt die technische Ausführung, bei der vonnun ab keinerlei künstlerische Funktion mehr zu ver-richten ist. Worauf es vielmehr ankommt, ist die möglichst subtile,gleichsam sklavische Übertragung der Vorlage in das Material.Jede Zuthat von eigenerIndividualität auf dem Wege zwischenfertiger Werkvorlage und fertigem Erzeugnis ist vom Übel. Des-halb erscheint als Ideal ein Trofs höchstspecialisierterQualitätsarbeiter, deren jeder einzelne wenn möglich eben-falls nur auf einen Künstler und auf eine Verrichtung eingescluiltist: z. B. auf Intarsiaarbeit für Pankok . Dafs bei dieser Art derAusführung der ganz grofse Betrieb, in dem sich hunderte vonSpecialisten in die Hände arbeiten, in dem alle mechanische Arbeitmaschinell ausgeführt werden kann u. s. w., den Vorzug vor demHandwerksbetriebe verdient, ist augenscheinlich. Wenn von derGeschäftsleitung derVereinigten Werkstätten in München , dereneigene Tischlerei übrigens 5060 Arbeiter umfafst, heute nocheinzelne Handwerker beschäftigt werden, so geschieht dies nachAussage ihres Direktors ganz und gar nicht, weil sie besser,sondern lediglich, weil sie im Moment billiger arbeiten, sei esinfolge stärkerer Ausbeutung ihres Arbeitermaterials (Lehrlinge!),sei es aus anderen zufälligen Gründen (Verwertung alter Metall-teile u. dgl.).

Also es handelt sich bei denVereinigten Werkstätten aller-dings um eine Neuorganisation des Kunstgewerbes, die aber nichthinter die bestehende zurück zum Handwerk, sondern in Anknüpfungan die vorhandene kapitalistische Wirtschaft zu höheren, voll-kommeneren grofsindustriellen Formen führen wird.

Was an der heutigen Organisation sich als störend für dieIntentionen des Künstlers erweist, ist vornehmlich die Unterwerfungdes konzipierenden Kopfes unter die Herrschaft einer Unter-nehmung. Handelt es sich dabei um eine grofse Kraft, so mufs