460 Drittes Buch. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.
sie sich rasch erschöpfen, weil sie im Dienste eines Geschäfts zustark genutzt wird. War es von vornherein ein halbgebildeterMusterzeichner, der die Stellung innehatte, so konnte der betreffendeUnternehmer überhaupt zu keinen wirklich künstlerischen Ent-würfen gelangen. Daher der Grundgedanke der neuen Ordnungist: Sorge zu tragen, dafs ein Geist nicht nur für tausend, sondernfür zehntausend, für hunderttausend Hände genüge. Zu diesemBehufe mufs der Musterzeichner der Einzelunternehmung eliminiertund durch den frei für viele Unternehmungen schaffenden Künstlerersetzt werden. Die Fabrik darf nur mechanisch ausführen, wasdie künstlerische Centrale ihr vorschreibt; eine eigene „künst-lerische“ Kraft ist für sie eher von Nachteil; sie verballhornisiertdie Künstlerentwürfe gar zu leicht. Was sie dagegen braucht, istein Stamm geschickter Arbeiter, d. h. ausführender Organe, dieauszubilden als Hauptaufgabe der Gewerbeschulen der Zukunft er-scheint. Neben diesen rein exekutiven grofsindustriellen Unter-nehmungen, die um so besser funktionieren, je weniger sie von derPeitsche der Konkurrenz angetrieben werden (daher das Ideal:kartellierte Riesenunternehmungen!), müssen dann als Pflanzstättender künstlerischen Ideen staatliche Gewerbeschulen und kunst-gewerbliche Versuchsanstalten in gröfserer Menge errichtet werden,in denen die Künstlerentwürfe ausgeführt und probiert werden. Indiesen Anstalten wird alsdann, wie ersichtlich, alle künstlerisch-schöpferische Ai’beit konzentriert sein. . . .
Das etwa sind die leitenden Ideen der Organisatoren der „Ver-einigten Werkstätten “, in denen ich zu meiner Freude bis in dieEinzelheiten hinein die Gedanken wiederfand, die ich mir selberüber die Zukunft des Kunstgewerbes gemacht hatte.
In diesen Ideen ist, wie man sieht, auch die letzte Spur vonHandwerksmäfsigkeit der Organisation ausgelöscht. Der Künstlerist wieder in die Sphären der gewerblichen Produktion herab-gestiegen; aber in anderer Gestalt als damals im Mittelalter, unterBerücksichtigung der radikalen Umgestaltung, die unser gesamtesKulturleben in den langen Jahrhunderten erfahren hat. Sein Geistist fruchtbar gemacht für ein grofses Gebiet menschlichen Schaffens.Die Idee der Individualisierung, der künstlerischen Besonderheitund Eigenheit ist verwirklicht nicht in der roh-sinnlichen Weise,dafs nun die kostbare Kraft des Genius vergeudet werde in selbst-händiger Schnitzerei oder selbsthändigem Hantieren mit demSchmelztiegel, sondern dadurch, dafs die Welt der materiellenArbeit seinem Geiste unterworfen, die Vielen, die nur zum Aus-