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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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461
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Sechsundzwanzigstes Kapitel. Handwerk und Kunstgewerbe. 401

führen taugen, zu gefügigen Werkzeugen in seiner Hand gemachtworden sind. Hatte der Künstler der Renaissance Hobel, Griffeloder Hammer als Mittel, seine Ideen zu verwirklichen, so hatder moderne Künstler jetzt zu seiner Verfügung ein kunstvollesSystem von lebendigen Einzelarbeitern, durch die hindurch erauf den toten Stoff in unendlich viel vollkommenerer Weise zuwirken vermag. Die zukünftige Organisation des Kunstgewerbesbesteht also in ihrem Grundgedanken darin, dafs die Idee derDifferenzierung der Fähigkeiten nunmehr auch auf die schöpfe-rische Leistung in viel radikalerer Weise als bisher zur Anwendunggelangt.

Dieses alles hat nun seine Geltung vor allem für die höchsteBethätigung künstlerischen Wesens in der Sphäre der Gewerbe;also für die Herstellung erstklassiger, vielleicht sogar einzigerkunstgewerblicher Gegenstände. Es war zu erweisen, dafs selbst(oder gerade!) für diese die handwerksmäfsige Organisation völligungeeignet ist. Das gilt nun natürlich in gleichem Mafse für allekunstgewerbliche Dutzendware, die doch sicher einen immergröfseren Raum in der Produktion ausfüllen wird. Von 1000Menschen sind 999 zufrieden, überhaupt einen schönen Stuhl, eineschöne Vase u. s. w. zu besitzen, ohne sich viel darum zu kümmern,ob dieses Stück auch vom Nachbar besessen wird. Für diesenwachsenden Massenbedarf (im guten Sinne) an schönen Gebrauchs-gütern kommt selbstverständlich überhaupt nur die Grofsindustriein Frage.

Ziehen wir nun noch in Betracht, dafs sich der Geschmack,wie wir sahen, immer mehr von der aus enger handwerksmäfsigerOrganisation stammenden Stilart hinüberbildet zu den Formen, wiesie uns die moderne Herstellungsweise liefert, so dürfte es wohlfür niemanden, der nicht in Vorurteilen befangen ist, zweifelhaftsein, dafs auch die Zukunft keinen Raum mehr für einKunsthandwerk bietet.

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Die bisherigen Ausführungen haben also den Nachweis zu er-bringen versucht, dafs die kapitalistische Unternehmung aus demKonkurrenzkämpfe mit dem Handwerke als Siegerin in ungezähltenFällen hervorgeht, weil sie besser arbeitet als jenes. Nununterliegt es aber keinem Zweifel, dafs der Siegeslauf des Kapita-lismus immer nur ein langsamer, ein räumlich beschränkter seinwürde, sein Herrschaftsgebiet heute nicht annähernd die Ausdehnung