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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
Entstehung
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Achtundzwanzigstes Kapitel.

Das Surrogat.

Durch thatsächliche gröfsere Billigkeit eines Gegenstandeseinen Konkurrenten aus dem Felde schlagen, heifst ihn unterbieten.Genau besehen, ist eine Unterbietung in zweifacherWeise möglich:man kann, wie schon festgestellt wurde, entweder gleiche Gegen-stände wie der Gegner auf den Markt bringen und diese billigerverkaufeni oder man kann anders geartete Gegenstände feilbieten, die aus irgend einem Grunde billiger sind, aber in Wirk-lichkeit oder scheinbar denselben Gebrauchszweck erfüllen. Imersteren Falle handelt es sich um Verbilligung durch Quantitäts-veränderung, im zweiten durch Qualitätsveränderung. Ich sprechezuerst kurz von dieser.

Das Streben, einem Lieferanten gewerblicher Erzeugnisse da-durch gleichsam das Wasser abzugraben, dafs man einen andersgearteten aber gleich verwendbaren Gegenstand zum Verkauf aus-stellte, ist so alt wie die Konkurrenz überhaupt. Es ist bekannt,wie es insbesondere der gewerbliche Kapitalismus in seinen An-fängen war, der auf diese Weise, durch Ausübung einer Art vonErsatzkunst, dem Handwerk die ersten Wunden schlug. DreiWege giebt es, um zu dem bezeichneten Ziele zu gelangen:

1. die Ersetzung des früheren Stoffes oder der früherenForm ohne Qualitätsverschlechterung (Substitution),

2. die Verschlechterung der Qualität, sei es des Stoffes,sei es seiner Bearbeitung, während Stoff und Art der Herrichtungeinstweilen dieselben bleiben (einfache Qualitätsverschlechterung),

3. die Ersetzung von Stoff undForm durch minder-wertige Surrogate (Surrogierung im engeren Sinne).

Alle drei Wege sind seit Jahrhunderten von den gewerblichenProduzenten beschritten worden. Gleichwohl sind erst in unserer

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