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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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Drittes Buch. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.

Höchstens, dafs wir einem Handwerker auf dem Wege dereinfachen Qualitäts-Verschlechterung begegnen. Aber auch dieseverträgt sich nicht mit der innersten Natur des Handwerks. Ichwill gar nicht einmal soviel Wert legen auf die historische Tradition,obwohl auch diese nicht gänzlich aufser acht zu lassen ist: dafs esder Handwerkerehre zuwider ist, Schundware zu liefern. Ein Hand-werker von echtem Schrot und Korn würde eher verhungern, eheer seine von den Vätern überkommene Produktionsweise im schlimmenSinne verändern sollte; er mag keine Schleuderware liefern, daspafst sich einfach nicht. Aber, wie gesagt, man braucht die Wir-kung des alten Handwerkerstolzes nicht übermäfsig hoch zu ver-anschlagen und kann doch zu dem Ergebnis kommen, dafs es mitdem Principe handwerksmäfsiger Produktion unvereinbar ist, ausder systematischen Qualitätsverschlechterung ein Gewerbe zu machen.Es ist nämlich in den meisten Fällen diese doch mit einer Täuschung,mindestens einer Dupierung des Publikums verbunden. Und dazubedarf es einer Unpersönlichkeit des Produzenten, wie sie diekapitalistische Organisation leichter mit sich bringt. Kaufe ich dieSchundware im Laden beim Herrn Cohn, so kann ich diesen alsHändler niemals in dem Mafse verantwortlich machen, wie ich esthue, wenn der Schuhmachermeister Schmidt oder der Tischler-meister Müller mir als Lieferanten des Schwindelstücks bekanntsind. Wo uns deshalb von systematischer Handwerkerschludereierzählt wird, wie bei den Berliner Tischlern oder den Schusternum Ulm herum, da handelt es sich immer nur noch um bereits inFäulnis übergegangene Reste des alten Handwerks, um handwerks-mäfsige Existenzen in indirekter Abhängigkeit vom Kapital, wie siebei uns klassifiziert werden.

Fast ganz verschlossen sind nun aber dem Handwerker dieWege der Substitution und Surrogierung; auch wenn er sich überdie eben geäufsertenBedenken hinwegsetzen undjene Wege beschreitenwollte, so würde er beim ersten Schritte von der übermächtigenKonkurrenz der kapitalistischen Unternehmung zu Boden ge-schleudert werden. Auf dem gesamten Gebiete der Substitutions-und Surrogatindustrien befindet sich nämlich der handwerksmäfsigeProduzent in entschiedenem Nachteile gegenüber dem kapitalisti-schen, sei es bei Bezug der Rohstoffe, sei es beim Produktions-prozesse selbst 1 : aus Gründen, die im folgenden Abschnitt aus-führlich werden erörtert werden.

1 Beispiele:Der Handwerker kann, aucli wenn er wollte, diese Surrogate(nämlich Kunstleder etc.) nicht wohl verwenden, weil diese nur bei sehr starkem