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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
Entstehung
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471
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Achtundzwanzigstes Kapitel. Das Surrogat. 471

Dafs dem aber so ist, dafs übereinstimmend in allen den ge-nannten Industriezweigen die kapitalistische Produktionsweise sichim Vorteil befindet, darf nicht wundernehmen. Jene Qualitätsver-änderungen, wie sie in der Substituierung und Surrogierung vorsich gehen, sind ja doch ausgedacht, ausgeklügelt von vornhereinunter dem Gesichtswinkel kapitalistischer Interessen.Ob ein neuer Stoff als Ersatzstoff dienen könne, ob ein neuesVerfahren die Stelle eines alten einzunehmen geeignet sei, wirddoch stets nur mit der stillschweigenden Klausel geprüft: voraus-gesetzt, dafs die Massenherstellung in kapitalistischer Form pro-fitabel erscheint. Somit bewegt sich auch der Spürsinn der Er-finder von vornherein in einer ganz bestimmten Richtung. IhreErfindung, wissen sie, hat nur Wert für sie, wenn sie einen Ka-pitalisten zur Anwendung reizt: sie mufs also auf kapitalistischeProduktionsweise zugeschnitten sein. Und das bedeutet natürlichin der Mehrzahl der Fälle, dafs sie unanwendbar für den Hand-werker bleibt.

Aber bei dieser direkten Schädigung des Handwerks durchdie Tendenz zu Qualitätsveränderung in dem bezeichneten Sinnehat es noch nicht sein Bewenden. Ein grofser Teil der Qualitäts-veränderungen, alle nämlich, mit denen insoforn eine Qualitäts-verschlechterung verbunden ist, als dieSolidität verringert ist,wirken zumal bei sehr starker Verbilligung dadurch nachteilig aufdas Handwerk, dafs sie dessen letztes Rückzugsgebiet einschränken:die Reparatur- und Flickarbeit. Die modernen Waren sindteilweise so schlecht, dafs man sie nicht mehr reparieren kann,wenn sie einmal zu funktionieren aufhören: wie etwa die deutscheReichsuhr für 2,75 Mk. oder 3 Mk .5 oder so billig, dafs man sie dank der von uns gewürdigten Geschmackstendenz auf dasNeue und Gefällige nicht mehr reparieren lassen will: wieetwa ganz billige Strandschuhe oder dgl. Was beides, wie er-sichtlich, auf den für das Handwerk gleichen Effekt hinausläuft,dafs weniger Waren zum Reparieren kommen.

Drucke, wie ihn die Maschinen ausüben, verarbeitungsfähig sind. U. IX, 49;die Ersatzmittel für Hanf und Flachs sind teils so zähe und wenig biegsam,dafs sie nur von der Maschine vorteilhaft verarbeitet werden. U. VI, 193.Die übrigen in der Seifensiederei eingeführten neuen Rohstoffe konnte er(sc. der Handwerksmeister) nicht benutzen, weil ihm für die Herstellung derPalmitin- und anderen Säuren die nötigen Einrichtungen und Kenntnissefehlten. U. VI, 656.