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Drittes Buch. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.
weise dort, wo eine Fabrik in Gegenden angelegt wird, in denenbillige Arbeitskräfte aus irgend einem Grunde in gröfserer Anzahlsich vorfinden, etwa weibliche, weil sich eine Männerindustrie(Maschinenfabrikation, Bergbau) daselbst angesiedelt hat. Es istklar, dafs das Handwerk niemals in dieser Weise beliebig seinenStandort wählen kann.
Was ich aber recht eigentlich hier im Auge habe, ist nochetwas anderes: es ist die Fähigkeit der kapitalistischen Unter-nehmung, überhaupt auf einen eigenen Standort für ihre Produktionzu verzichten, d. h. von der Anlage einer selbständigen Arbeits-stätte absehen und den Produktionsprozefs in die Werkstätte oderdie Wohnung des Arbeiters verlegen zu können. Es ist bekannt, dafsdieses der Fall ist bei der hausindustriellen Organisation.Mit dieser verknüpft sich aber ein doppelter Vorteil für den Unter-nehmer. Erstens kann er nun Arbeitskräfte, also in erster LinieWeiber beschäftigen, die überhaupt nur zu haben sind, wenn mauihnen das Beneficium des „Arbeite zu Hause!“ beläfst: die Mütter,die Gebrechlichen, die Schämigen, die Bequemen, mit einem Wort:die Billigsten!
Zweitens aber kann er Arbeiter an Orten beschäftigen, andenen sich die Gründung eines kompletten Produktionsunternehmens,also vor allem die Anlage einer gröfseren Betriebsstätte, verbietet;sei es weil der Ort zu entlegen von allem Verkehr ist, sei es weiler als Standort für die Produktion zu teuer ist: letzteres trifft, wiewir wissen, für die meisten Industrien, jedenfalls für alle diejenigen,deren Stärke die Billigkeit ihrer Preise ist, auf die Grofsstädte zu.
Mittels der hausindustriellen Organisation gelingt nun dasKunststück, die zur Zeit billigsten Arbeitskräfte — das sind dieWeiber in den gröfseren und grofsen Städten — nicht nur über-haupt ausnützen zu können, sondern sogar sie billigst, zu Be-dingungen auszunützen, wie sie in keiner anderen Form annähernderreicht werden. Der Unternehmer wälzt in der Hausindustrie dieGrundrente, die Ausgaben für Baulichkeiten, Maschinen und Ge-räte, Beleuchtung, Beheizung u. s. w. auf die Arbeiter ab undverbilligt deren Arbeitskraft zum letzten noch dadurch, dafs er inder Dauer ihrer Beschäftigung sich von jeder Fessel befreit. Da-bei bewahrt er sich die Möglichkeit, die kaufmännische Centraleseines Unternehmens dort aüfzuschlagen, wo es am vorteilhaftestenerscheint.
Kurz — die hausindustrielle Organisationsform stellt in der Thatin jeder Hinsicht den Gipfelpunkt kapitalistischer Verschlagenheit