518 Drittes Buch. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.
geschnittenen Rohstoff zu Kleidern oder Stiefeln verarbeiten. Schondie Anfänge einer Specialisation erheischen eine Betriebsgröfse, diemindestens als sog. „Mittelbetrieb“ zu kennzeichnen ist und diekleinkapitalistische Unternehmung zur notwendigen ökonomischenBasis hat. Was aber von der Specialisierung der Arbeitsleistungengilt, gilt ganz ähnlich auch für die Differenzierung der Funktionender Produktionsmittel: auch hier ist die Voraussetzung stets eineMindestgröfse des Betriebsumfangs 1 .
Nun kennen wir aber die Specialisation auch noch in einerandern Form, in der sie betriebstechnisch im Rahmen eines kleinenBetriebes sehr wohl möglich ist und thatsächlich auch geübt wird:als Specialisation zwischen Betrieben. Überall aber,wo wir von solchen kleinen Specialbetrieben hören, wie in derBerliner Tischlerei 2 3 , in der Schneiderei 8 , handelt es sich schongar nicht mehr um Handwerksbetriebe, sondern entweder schonum hausindustrielle oder mindestens kapitalhörige Existenzen. Wirdürfen daraus den Schlufs ziehen, dafs in unserer heutigen Wirt-schaftsverfassung auch die Specialisation zwischen Betrieben sichmit der handwerksmäfsigen Produktionsweise nicht mehr ver-
1 Ein interessantes Beispiel hierfür findet sich in U. III, 41 (A. Voigt) beider Darstellung der Konkurrenzbedingungen im Brauereigewerbe. Dort heilst es:„Sowie die Verwendung des Eises die Fortsetzung des Betriebes während desganzen Jahres ermöglicht, so wird im Grofsbetriebe eine volle Ausnützung dertäglichen Arbeitszeit, eventuell ein kontinuierlicher Betrieb in Tag- und Nacht-schichten durch die Einrichtung des Sudwerks möglich. Im Kleinbetrieb be-steht die Sudeinrichtung aus dem Braukessel und dem Maischbottich. DerKessel dient sowohl zum Kochen der Maische als auch der abgeläutertenWürze, und der Maischbottich versieht ebenfalls zwei Funktionen: er dient zu-gleich zum Einmaischen und zum Abläutern. Im Grofsbetriebe sind diesezweifachen Funktionen beider Apparate auf je zwei verteilt. Der eine Bottichdient nur zur Bereitung der Dickmaische, und ihm entspricht der eine Kessel.Zum Abläutern kommt die Maische in den zweiten Bottich, und der zweiteKessel dient nur zum Sieden der fertigen Würze mit Hopfen. Man könntesogar von einer dreifachen Funktion des Bottichs im Kleinbetriebe sprechen,er dient da zugleich als Hopfenseier, zum Ablassen der fertigen Würze vondem Hopfen. Diesem Zwecke dient im Grofsbetrieb ein besonderer Apparat.Die Folge dieser Teilung der Funktionen ist, dafs ein zweiter Sud begonnenwerden kann, sobald nach etwa halbvollendetem ersten Sud der Maischbottich undMaischkessel frei wird. Im Kleinbetriebe kann nur ein Sud täglich vollendetwerden, im Grofsbetriebe deren zwei bis drei, bei kontinuierlichem Betriebesogar vier innerhalb 24 Stunden. Ein hiesiger Kleinbetrieb (Karlsruhe) machtjährlich 150 Sude, ein Grofsbetrieb 880—890 in derselben Zeit.“
2 Vgl. Band I S. 502 f.
3 Vgl. Band I S. 514.