Zweiunddreifsigstes Kapitel. Der Kampf um die Technik. 519
trägt. Und wenn wir nach einer Begründung dieser ThatsacheUmschau halten, so brauchen wir gar nicht lange zu suchen. DerGrad der Specialisation eines Betriebes steht nämlich offenbar imgeraden Verhältnis zu der Schwierigkeit des Absatzes. Je mehrGegenstände einer und derselben Art in einem Betriebe erzeugtwerden, desto gröfser wird in der Regel der Kreis der Konsumentenräumlich gezogen werden müssen. Jene modernen Specialbetriebe,von denen wir Kunde haben, erzeugen denn auch fast immer nurentweder Versandware oder Pofelware für grofsstädtische Vorstadt-magazine. In beiden Fällen nehmen sie notgedrungen die Ver-mittlung kaufmännischer Zwischeninstanzen in Anspruch, die hiergleichsam die Funktion der Integrierung vollziehen. Und da wissenwir nun, dafs bei der chronischen Überfüllung des Marktes, wieihn unser Wirtschaftsleben notwendig als Begleiterscheinung hat,das Handwerk leicht in materielle und bald auch formelle Ab-hängigkeit vom Kapital zu geraten droht. Sodafs wir auch vondem durch Specialisation genutzten arbeitzerlegenden Verfahrensagen müssen, dafs es unter den heutigen Verhältnissen dem Hand-werk als solchem nicht zugänglich ist.
IH. Das wissenschaftliche Verfahren.
So bedeutsam auch, wie wir wissen 1 , die Anwendung diesesVerfahrens für den Produktionserfolg ist, so kurz können wir unshier fassen, wo es sich um seine Wertung im Konkurrenzkämpfezwischen Handwerk und Kapitalismus handelt. Denn was hiernoch einmal ausdrücklich konstatiert werden soll: dafs demHandwerk die Anwendung geradedieses entscheidendwichtigen Förderungsmittels versagt ist, ist etwas, daswir auf Schritt und Tritt im Verlauf der gesamten Darstellung zubemerken Gelegenheit gehabt haben.
Im Grunde ist es ja eine Tautologie, zu sagen: das Handwerkkann nicht wissenschaftlich, kann nicht rationell produzieren. Dennalles, was technische und ökonomische Rationalistik heifst, ist vonNatur dem Wesen des Handwerks fremd, das ja vielmehr in derEmpirie seinen bezeichnenden Ausdruck findet. Sieg der Rationalistikbedeutet also schon deshalb Besiegung des Handwerks. Auch wenndie Anwendung des wissenschaftlichen Verfahrens nicht, wie es derFall ist, aus mancherlei äufseren Gründen im Rahmen der hand-werksmäfsigen Organisation ausgeschlossen wäre. Vor allem: das
1 Ygl. hierzu die Ausführungen auf Seite 59 ff. dieses Bandes.