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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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Dreiunddreifsigstes Kapitel. Handwerk und Maschine.

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II. Die Arbeitsmaschine.

Alle jene Ergebnisse, die uns das Studium der Statistikliefert und die sämtlich zu dem Schlüsse führen, dafs auchder beste Kleinmotor nicht im stände sein wird, dem Verfalldes Handwerks Einhalt zu thun, weil er überhaupt im Rahmenhandwerksmäfsiger Produktion keine Verwendung findet: sie allekommen demjenigen nicht überraschend, der über die Tragweiteder Nutzung mechanischer Kraftquellen für die gewerbliche Pro-duktion sich einigermafsen klare theoretische Vorstellungen ge-macht hatte.

Was nämlich immer im Auge behalten werden mufs, istdieses: dafs selbstverständlich die Bedeutung einer neuen Trieb-kraft für die Gestaltung des Produktionsprozesses nicht für sichallein, sondern nur im Zusammenhänge mit der gesamten Pro-duktionstechnik, also insonderheit mit der Entwicklung derArbeitsmaschinerie gewertet werden kann. Nur wenn gleich-zeitig die Anwendung einer entsprechenden Werkzeugmaschine inder Tragweite des handwerksmäfsigen Produzenten liegt, hat dieFrage nach Zuführung mechanischer Kraft in kleinen Mengen fürihn überhaupt Interesse. Nun können wir aber für die in Betrachtkommenden Gewerbe zwei Kategorien von Arbeitsmaschinen unter-scheiden: solche, die alle wesentlichen Teile eines beruflich ab-gegrenzten Arbeitsprozesses in einer Maschine vereinigen (in-tegrierende Maschinen), und solche, die auf dem Princip der Arbeits-zerlegung aufgebaut sind (differenzierende Maschinen).

Was zunächst die Kategorie der integrierenden Ma-schinen anbetrifft, so ist ihre Anwendbarkeit für die Handwerkerdavon abhängig, ob ihre Gröfsenausmessung seinen Produktions-und Vermögensspielraum überschreitet oder nicht: die Papier-maschine kommt für ihn ebenso wenig in Betracht wie die Rotations-maschine in der Druckerei.

Dagegen giebt es integrierende Maschinen, die auch demkleinsten Einzelarbeiter zugänglich sind. Hierher gehören: Näh-maschinen, Webstühle, Wirk-, Strick-, Stickstühle etc. Man sieht,dafs dies Arbeitsmaschinen sind, die sich seit altersher in denHänden der meskinsten Produzenten befinden. An sie habenMänner wie Reuleaux augenscheinlich auch in erster Linie gedacht,wenn sie meinten: die Arbeitsmaschine nützt der Handwerkerschon, fehlt ihm nur die Kraftmaschine. Offenbar ist nun zumBetrieb solcher Kleinarbeitsmaschinen theoretisch die Kleinkraft-

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