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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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532
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532 Drittes Buch. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.

maschine in der That sehr wohl geeignet. Und es ist auch nichtausgeschlossen, dafs mit den Fortschritten der Elektrotechnik,namentlich wenn das Problem der Kraftübertragung auf weiteStrecken einer befriedigenden Lösung entgegengeführt wird, mehrHandwebstühle, mehr Fufsnähmaschinen, mehr Strick- und Stick-maschinen als bisher einen Antrieb durch mechanische Kraft er-fahren werden.

Mancherlei Erfahrungen der letzten Zeit lassen darauf schliefsen,dafs diese Annahme nicht unbegründet ist. Die Vorgänge in denWeberdistrikten von St. Etienne an der Loire, in den Uhrmacher-dörfern des schweizer Jura werden sicher nicht vereinzelt bleiben.In St. Etienne sind etwa 18000 Webstühle im Betriebe, die überdas Land hin verbreitet sind. Von diesen wird seit 1893 eineganze Anzahl durch Elektromotoren angetrieben, denen der nötigeStrom die Edison Electric Co. liefert. Da die Leistungsfähigkeitdes einzelnen Stuhls dadurch um etwa 25% gestiegen ist, hatsich die Gesellschaft erboten, die übrigen Webstühle des Distriktsin gleicher Weise mit Elektromotoren zu versehen. Die fürdiesen Zweck errichtete elektrische Centrale liefert 900 PS. Nachden Offerten der Edison Electric Co. betragen die Ausgaben proStuhl 350 Frcs. einschliefslich Elektromotor und Transmission,wofür der Bewegungsmechanismus in den Besitz des Webers über-geht, der aufserdem noch 10 Frcs. pro Monat und Stuhl für In-standhaltung des maschinellen Teils seiner Anlage zu bezahlen hat.In ähnlicher Weise ist das Elektrizitätswerk La Goule, dessenKapazität 1500 PS. beträgt, organisiert; es dient vornehmlich derKraft- und Lichterzeugung einer Anzahl von Uhrmacherdörfernim Thale von St. Imier.

Das also sind thatsächliche Erfolge, die der Elektromotor aufdem Gebiete kleingewerblicher Produktion erzielt hat 1 .

Aber handelt es sich denn hier überhaupt noch um handwerks-mäfsige Existenzen ? Doch ganz und gar nicht. Der Handweber, dieHausnähterin, der Uhrmacher, denen nun etwa der elektrische Stromihre Maschinen treiben hilft, haben längst aufgehört, Handwerkerzu sein; es sind hausindustrielle Lohnarbeiter geworden. Die Ver-besserung der Technik kommt also nicht ihnen, sondern dem Kapitalzu gute, ebenso wie seiner Zeit nicht sie, sondern das Kapital vonder Einbürgerung der Arbeitsmaschine profitiert hat. Aber selbst

1 Ygl. H. Lux, Der Kleinmotor und das Kleingewerbe im socialpolitischenCentralblatt. IV. Jahrgang. S. 309.