Dreiunddreifsigstes Kapitel. Handwerk und Maschine.
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angenommen, es fände sich noch irgendwo unter jenen Gewerbe-treibenden eine Art von Handwerker, so würde ihn der elektrischeStrom, der jetzt in seine Arbeitsstätte geleitet wird, sicher nichtkräftigen, er würde ihm viel eher den Garaus machen. Denn wasder Handwerker gewönne, wäre die Möglichkeit, mehr wie früherzu produzieren. Er müfste also auch mehr absetzen. Und dieganze Industrie um ihn herum würde auch mehr absetzen müssen,sodafs sich die Absatznot für die einzelnen Produzenten vermehren,der Konkurrenzkampf verschärfen, die kleine, schwächliche Existenzum so eher dem stärkeren Mitbewerber zum Opfer fallen würde.Vorausgesetzt, dafs sie es nicht vorzöge, sich freiwillig ihrerökonomischen Selbständigkeit zu begeben, d. h. sich dem Kapitalzu verschreiben und damit wenigstens ihr Lehen zu retten. Wasalso möglicherweise als Folge weiterer Fortschritte der Kleinmotoren-technik für die genannten Gewerbezweige herausspringt, kannniemals eine Stärkung des Handwerks sein, wohl aber eine Ver-ewigung oder wenigstens eine Daseins Verlängerung der haus-industriellen Organisation. Dieser wird in der That, unter besondersgünstigen Verhältnissen, durch billige und bequeme Zuführungelementarer Kraft neues Leben eingehaucht; ihre Widerstands-fähigkeit gegenüber dem geschlossenen Grofsbetriebe kann in manchenFällen wachsen. Für das Handwerk könnte dies immer nur dieWirkung haben, dafs es nun einer um so schärferen Konkurrenzbegegnete. Denn wenn es dem Unternehmer möglich ist, aufannähernd gleich hoher technischer Basis in hausindustrieller Formzu produzieren, so bedeutet das die Heranziehung billigerer Arbeits-kräfte und somit abermals ein Mittel, die Warenpreise herabzusetzen.
Ganz anders liegt das Problem, wo sich die maschinelle Technikauf einer vorhergehenden Arbeitszerlegung aufgebaut hat, dieeinzelne Arbeitsmaschine also einen abgegrenzten Teil des gesamtenProduktionsprozesses übernimmt, sodafs in dem Mafse, wie diesermaschinell wird, ein System differenzierter Maschinenentsteht. Dies ist der typische Vorgang für die meisten Gewerbe,in denen die handwerksmäfsige Produktionsweise sich bis heutehie und da erhalten hat: die Schuhmacherei, Tischlerei, Schmiederei,Schlosserei, Drechslerei, Böttcherei, Buchbinderei, in denen allenschon jetzt die vollendete maschinelle Technik auf einem System vonWerkzeugmaschinen sich auf baut, während in andern Gewerben,wie der Fleischerei, einstweilen nur einzelne Stücke des Produktions-prozesses von Specialmaschinen besorgt werden. Bei diesen Gewerbe-arten gelten nun aber für eine ökonomische Verwendung