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Drittes Buch. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.
Einrichtung (Kreissäge, Bandsäge, zwei Hobelmaschinen, Fräs-maschine, Bohrmaschine) die Maschinen in der Bauschreinerei nurbei 20, in der Möbelschreinerei gar erst bei 70 Arbeitern bis zumSättigungspunkt beschäftigt. Mögen diese Ziffern auch zu hochgegriffen sein: sicher ist, dafs auch in der Tischlerei die ökonomischeVerwendung der vollständigen Arbeitsmaschinerie nur in Betriebenmöglich ist, die den Umfang des Handwerks weit überschreiten.
Die Beobachtung, dafs die Ausrüstung der eigenen Werkstattmit der erforderlichen Arbeitsmaschinerie dem Handwerker un-möglich ist, hat zu der Institution der sog. Lohnschneidereiengeführt: Unternehmungen, die gegen ein Entgelt einzelnen Hand-werkern die Benützung eines kompletten Systems von Tischlerei-maschinen gewähren. Die Urteile über ihre Bewährung weichenvon einander ab 1 . So viel ist jedenfalls klar, dafs derjenige Pro-duzent, der auf jene fremden Holzbearbeitungsbetriebe angewiesenist, benachteiligt ist gegenüber einem Konkurrenten, der dieMaschinen im eigenen Betriebe beschäftigt. Die Nachteile sindnämlich mindestens folgende:
1. Versäumnis von Zeit, die durch den Transport der Hölzersowie durch gelegentliches Warten entsteht;
2. Belastung mit dem Produktionsprofit jener fremden Ge-schäfte.
Einen wesentlichen Einflufs auf den Ausgang des Konkurrenz-kampfes in der Tischlerei haben jene Lohnschneidereien offenbarnicht; können sie schon deshalb nicht haben, weil die Kosten-ersparnis, die durch Maschinenbenutzung entsteht, in sehr vielenZweigen namentlich der Möbeltischlerei von keiner ausschlag-gebenden Bedeutung ist 2 3 .
Ganz ähnlich wie in der Tischlerei ist die Situation in derDrechslerei, von der ebenfalls bestätigt wird, dafs die Ein-führung der maschinellen Technik dem Handwerker durchaus un-möglich sei. „Da die motorisch bewegten Drehbänke, die er sichallenfalls anschaffen kann, nicht entscheidend sind, so müfste ermindestens auch Fräs- und Bandsäge haben. Dazu wäre aberschon ein ansehnliches Kapital erforderlich und der Betrieb rücktein die Kategorie der fabrikmäfsigen Mittelbetriebe — lies klein-kapitalistischen Unternehmungen — empor, ohne dafs es damit aus-
1 Vgl. U. I, 87. 267. 290. III, 207. 320. 544. IV, 383 f. Vgl. auch deu
ersten Band dieses Werkes S. 546 f.
3 Vgl. darüber die eingehenden Berechnungen von A. Voigt in U. III undP. Voigt in U. IV.