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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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Drittes Bucli. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.

als wären die neuen Vorstände mehr auf ihren Vorteil bedacht ge-wesen, als auf den der Gesellschaft. Seitdem sind alle kleinerenGerber mifstrauisch geworden h Diegegenseitige Mifsgunst derMitglieder, von denen jeder auf Kosten der Genossen für seinePerson möglichst hohe Gewinne herausschlagen wollte, wie dieUnehrlichkeit des Geschäftsführers veranlafsten die Auflösung derAssoziation sc. einer Produktivgenossenschaft der Schmiede inPrenzlau , die von 1847 bis 1864 bestand 1 2 .Mit den Rohstoff- ^

genossenschaften sc. in der Berliner Tischlerei hat man . . .regelmäfsig ganz schlechte Erfahrungen gemacht, weil das Holzseiner grofsen Qualitätsunterschiede wegen zum gemeinsamen Ein-kauf wenig geeignet ist. Es entstand jedesmal grofser Hader unterden Beteiligten, weil jeder glaubte, betrogen zu sein und niemanddie geringere Qualität nehmen wollte 3 . Bei den Magazin-

genossenschaften daselbst istUntergang oder kapitalistische Ent-artung . . . bisher stets das Loos gewesen 4 * .Die Uneinigkeitund gegenseitige Mifsgunst ist unter den Gewerbetreibenden hier sc. den Tischlern in Könitz zu grofs, als dafs irgend einegenossenschaftliche Bestrebung, die nicht eine greifbare, gleich-mäfsige Förderung der Interessen aller erwarten liefse, sonderlicheAussicht auf Erfolg hätte 6 . y

Bei den Nürnberger Schlossern hat keine genossenschaftlicheBildung Bestand. Der Grund dafür istein tiefeingewurzeltesgegenseitiges Mifstrauen. Keiner will dem andern seine Arbeitsehen, keiner den andern irgend eine billige Bezugsquelle, einenbesonderen Vorteil wissen lassen. . . . Gewöhnlich mufs man hören:

Was nützt es denn, wenn wir Kleinen uns vereinigen wollen, dieGrofsen, die das Geld haben, thun doch nicht mit 6 .

Rohstoffgenossenschaften unter den Mainzer Tischlern habensich nicht bewährt:Die allgemeine Begründung ist die, dafs dasMaterial sich dafür nicht eigene. Eine gleichmäfsige Verteilungdes im grofsen angekauften Holzes ist unmöglich, weil keinStück dem andern gleicht und jeder das bessere haben will, dasschlechte aber keinen Abnehmer findet 7 . Auch die Mainzer

1 U. V, 467/69.

2 U. IV, 127.

3 ü. IV, 466 f.

4 U. IV, 469.

3 U. IV, 174.

6 ü. III, 465.

7 U. III, 338.