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Fünfunddreifsigstes Kap. Der Traum v. d. Handwerkergenossenschaften. 557
Gevverbehalle (die älteste ihrer Art, gegründet 1841) will nicht rechtgedeihen. „Neid und Kleinlichkeit treiben fortwährend ihr Spielund eine Partei der Unzufriedenen hat stets zu nörgeln 1 .“
Eine Rohstoffgenossenschaft der Ulmer Schuster ging ein,„weil es Streit unter den Meistern gab, indem einzelne Meister diebesseren Häute für sich Wegnahmen“ 2 .
Eine Tischlerverkaufsgenossenschaft in Posen mifslang „infolgeder Mifsgunst der Handwerker untereinander“ 3 .
Eine Tapeziererrohstoffgenossenschaft in Berlin hatte dasselbeSchicksal. „Das Fehlschlagen ist in letzter Linie der Nicht-beteiligung der kapitalkräftigeren Handwerker zuzuschieben, diesich die Vorteile des direkten Rohstoffbezuges selbständig verschaffenkönnen und auch durch das in der Genossenschaft liegende Bürg-schaftsmoment Kapitalverluste befürchten 4 .“
Die Schuster in Loitz wollen nichtsstoffbezug wissen: „Die Verteilung derwürde zu Streitigkeiten führen 6 .“
Eine Magazingenossenschaft bestand unter den Tischlern inAugsburg von 1856 bis 1884. „Ursache des Niedergangs war derAustritt der leistungsfähigeren Mitglieder und Gründung voneigenen Magazinen durch dieselben, sowie Mifshelligkeiten unterden Mitgliedern 0 .“
Genügen diese Zeugnisse für das Verständnis der Vergangen-heit und Gegenwart nun auch vollständig, so ist es, um sich einUrteil zu bilden über die Aussichten der Handwerkergenossenschaftenin der Zukunft, notwendig, den tiefer liegenden Ursachen jenerHinderungsmomente nachzuforschen, um auf die Wahrschein-lichkeit ihres Fortbestehens oder ihres Verschwindens schliefsen zukönnen.
Die grofse Mehrzahl der Beurteiler kommt nun bei solcherartBeginnen zu folgendem Schlüsse: die Genossenschaften haben er-sichtlicherweise bisher nicht floriert, weil der für ihr Gedeihen un-umgänglich notwendige Gemeinschaftsgeist fehlte. Wo dieser vor-
von gemeinsamem Roh-ungleichen Lederrollen
1 ü. III, 333.
2 U. III, 279.
3 U. I, 89.
4 U. I, 112.
6 U. I, 39.
6 U. III, 559.
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