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Drittes Buch. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.
es in vielen Fällen nur dem Handwerksmeister ermöglicht, wenigstensnoch einigermafsen der Fabrik Konkurrenz zu machen“ h
Fragt man aber, wie es sich ereignet, dafs so viele Handwerkerdieses eigentümliche, ausbeutungsfähige Arbeitermaterial in ihreVerfügungsgewalt bekommen, so wird die Antwort für die ver-schiedenen Gewerbe verschieden ausfallen, je nämlich nach derverschiedenen Rolle, die in ihnen die grofsindustrielle Organisationspielt.
In denjenigen Gewerbszweigen, in denen die soi-disant hand-werksmäfsige Produktionsweise noch mit mehr oder weniger Erfolgbetrieben werden kann, namentlich aber dort, wo der handwerks -mäfsige Zwergbetrieb dominiert, beobachten wir einen aufser-ordentlich starken Zustrom zu dem Gewerbe überhaupt, der sichaus dem Wunsche so vieler Personen erklärt, „selbständige“Handwerker zu werden. Dieser Zustrom staut sich nun abernaturgemäfs zunächst einmal in Form von Lehrlingen undjugendlichen Arbeitern in den Reservoirs der Meister auf kürzereoder längere Zeit auf. Wir können diese Vorgänge deutlich ver-folgen, wenn wir die oben schon mitgeteilten Ziffern der jugend-lichen Arbeiter + Lehrlinge, also des Nachwuchses in dem be-treffenden Gewerbe mit den „selbständigen“ Inhabern von Allein-betrieben und Gehilfenbetrieben mit bis 5 Personen einerseits, diein allen Betrieben mit bis 5 Personen beschäftigten Erwerbsthätigenmit den in der entsprechenden Grofsindustrie thätigen Arbeiternandererseits vergleichen. Wo der Nachwuchs ein verhältnismäfsigstarker ist (sage 50 % der selbständigen Kleingewerbetreibendenin obigem Sinne und darüber ausmacht), gleichzeitig aber nur einkleiner Teil der dem Gewerbe angehörigen Personen in Grofs-betrieben beschäftigt ist, da haben wir es mit charakteristischenTypen dieser ersten Gruppe von Handwerken, nennen wir sie dieübersetzten Zwerghandwerke, zu thun. Hierher gehörenbeispielsweise: Fleischer (Nachwuchsquote 49,9 °/o), Friseure undBarbiere (50,0 °/o), Stubenmaler (51,9 °/o), Schornsteinfeger (57,8 °/o),Tapezierer (62,2 °/o), Bäcker (66,1%) u. a. In ihnen sind (1895)noch mehr als 80 % aller Erwerbsthätigen in Betrieben mit wenigerals 5 Personen beschäftigt: Fleischer 84,0 %, Friseure und Barbiere97,3%, Bäcker 83,8%, Stubenmaler 89,8%, Tapezierer 92,7%,Schornsteinfeger 99,3 %. Diese Gewerbe weisen naturgemäfs aucheine Tendenz zur Vermehrung der Zwergbetriebe auf.