Siebenunddreifsigstes Kap. Die Ausbeutung jugendl. Arbeitskräfte etc. 577
sie sind also durchaus damit einverstanden, dafs diese statt alsLehrlinge als jugendliche Arbeiter behandelt werden. Diese Er-scheinung hängt mit der Thatsache zusammen, dafs
1. das Niveau der Gesellschaftsschichten, aus denensich der Nachwuchs für das Handwerk rekrutiert, im allgemeinendie Tendenz zum Sinken hat:
„Der Nachwuchs des Schuhmacherstandes rekrutiert sichhier zum grofsen Teil aus den ärmsten Bevölkerungsklassen“, heifstes von Stadt und Kreis Dramburg 1 und „dafs die Rekruten diesesHandwerks den ungebildetsten Schichten der Bevölkerung an-gehören“, wird für die Schuhmacherei in Altona und Umgegendkonstatiert 2 3 . Die Lehrlinge des Schmiedehandwerks in Erlangen entstammen heute tieferen socialen Schichten als ehedem: Klein-bauern u. dergl. 8 , diejenigen des Schmiedehandwerks in Löbau (West-preufsen) „stammen ohne Ausnahme aus dem Proletariat des Landesoder der Stadt 4 * “. „Ein fortwährender Gegenstand der Klage undUnzufriedenheit der Landmeister — sc. Töpfer im Handels-kammerbezirk Dresden — ist die Herkunft und grofse Armut allerderjenigen, die das Gewerbe neu erlernen wollen. Ein Königsbrücker Meister bezeichnete den Durchschnitt als ärmliches Gesindel 6 .“Für die Tischlerei in Könitz (Westpreufsen) „rekrutieren sichdie Lehrlinge zum gröfsten Teil aus den untersten Schichten derStadt- und namentlich Landbevölkerung 6 “. Die Ma 1 erlehrlingein Berlin kommen seit Jahrzehnten bereits „vor allem aus denärmsten Gesellschaftsklassen 7 “. Der Nachwuchs des BerlinerKlempnergewerbes wird zum allerkleinsten Teil durch Söhneanderer Handwerker gedeckt; meist sind es Arbeiterkinder, die„aus den ärmsten Kreisen der Bevölkerung“ stammen 8 . In demUhrmachergewerbe in Breslau rekrutierten sich die Lehrlingefrüher fast nur aus den mittleren Ständen. „Die heutigen Lehr-linge gehören zum gröfsten Teil den ärmeren Volksklassen an 9 .“Für andere Länder wird das, was wir hier für Deutschland
1 U. I, 57.
2 U. I, 26.
3 U. III, 415 f.
4 U. IY, 199.
6 U. IY, 385.
6 ü. IV, 169.
7 U. VII, 233.
8 U. Vn, 315.
9 U. IX, 441.
So mbar t, Der moderne Kapitalismus. II.
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