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2 (1902) Die Theorie der kapitalistischen Entwicklung : mit Register über Band 1 und 2
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578
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578 Drittes Buch. Die Theorie der gewerblichen Konkurrenz.

beobachten konnten, bestätigt. Der Berichte über dasLehrlings-verhältnis in der Schweiz wurde schon Erwähnung gethan, undwie auch dort als Übelstand die Thatsache immer wieder konstatiertwird, dafs Eltern und Vormünder ihre Kinder und Mündel lieberzu notorisch schlechten Meistern in die Lehre geben, weil sie hiergleich mitverdienen helfen. Und der Grund ist derselbe wie beiuns: Senkung des Rekrutierungsniveaus.Leute vom Mittelständefinden diese Beschäftigung (sc. Maurerei) zu gering und armeArbeitsleute können den Lohnausfall eines Jungen von 22*/a Fr.täglich nicht ertragen 1 das gilt für die meisten Gewerbe.

Ganz dieselben Erscheinungen beobachten wir in Österreich. Erhebungen haben (dort) ergeben, dafs sich der Nachwuchs imHandwerk vorwiegend aus den untersten Bevölkerungsschichten,aus den Abkömmlingen von Arbeitern und Tagelöhnern, Häuslernund Kleinbauern und zwar in allererster Linie aus der Land-bewohnerschaft rekrutiert. So schwankt nach den Ergebnisseneiner im Sommer 1895 durch den mährischen Gewerbeverein ver-anstalteten Enquete der Anteil desgewerblichen Mittelstandeszwischen 5 und 30 °/o der in die Lehre tretenden Kinder. Dochwird die letztere Grenze anscheinend nur in Ausnahmefällen, wiein den nordmährischeu Städten Mähr. Trübau und Mähr. Schönberg,erreicht, während z. B. in Sternberg der gesamte gewerbliche Nach-wuchs fast ausschliefslich den ärmsten Arbeiterschichten entstammt 2 .

Das Material, das alsLehrlinge bei kleinen Meistern eintritt,ist nun aber noch aus dem weiteren Grunde besonders ärmlich undsomit auf baldiges Verdienen angewiesen, weil

2. sich ein Ausleseprozefs bei der Verteilung derLehrlinge unter die verschiedenen Lehrherren in der Weisevollzieht, dafs allebesseren Elemente, also vor allem auch dieaus wohlhabenderen Schichten stammenden jungen Leute von dengröl'seren Geschäften aufgenommen werden, den kleinenHandwerksmeistern somit in der Regel nur das minderwertigeMaterial verbleibt. Was uns über die Zustände in den WienerGewerben von dem dortigen Gewerbeinspektor berichtet wird,dürfen wir ohne weiteres auf die grofse Mehrzahl gerade derwichtigsten Gewerbe übertragen.In einigen Gewerbekategorien,wie namentlich im elektrotechnischen Gewerbe, im Gewerbe derBuchdrucker, Lithographen, Mechaniker, Maschinenbauer u. s. w. ist

1 Gewerbl. Zeitfragen 11 (1895), 49.

2 Waentig, 339/40.