Wirkung bleiben: man denke an China oder Indien, wo die Bevölkerungs-zunahme nichts als Überfüllung und Elend erzeugt hat. Also, müssen wirschließen, muß dort, wo wir sie starke umgestaltende Wirkungen ausübensehen, wiederum etwas anderes, das hinter dem Phänomen der Bevölke-rungsvermehrung steckt, die eigentliche treibende Kraft gewesen sein.
Was das ist, geht aus den bisherigen Betrachtungen schon von selbsthervor: es ist der lebendige Mensch mit seinen Strebungen, seinenZielsetzungen, seinen Willensregungen; der lebendige Mensch mit seinenGedanken und Leidenschaften.
II. Historische Triebkräfte
Wie können wir der Tatsache, daß wie alle Geschichte, so auch dasWirtschaftsleben von lebendigen Menschen und nur von diesen gemachtwird, wissenschaftlich-darstellend Herr werden? Wie können wir ge-schichtliche Abläufe als die Wirkungen dieser allein treibenden Kräfteuns verständlich machen? Welche Gesichtspunkte werden wir bei derBetrachtung besonderer historischer Wirksamkeiten ins Auge zu fassenhaben ?
Es leuchtet ein (oder sollte doch einleuchten!), daß zur Erklärungsolcher historisch-bestimmter Wirksamkeiten, wie es der Ablauf einereinzelner Wirtschaftsepoche, wie des Hochkapitalismus ist, die Auf-deckung der allgemein-menschlichen Yeranlagung wenig beiträgt. Diemenschlichen Motive — man mag sie rationalistisch fassen und etwaEgoismus und Altruismus, den ökonomischen Sinn, das Streben nachBedürfnisbefriedigung darunter begreifen oder — wie es jetzt unter demEinfluß Mc. Dougalls die große Mode in den Vereinigten Staaten (undin den von dort ihreWeisheit beziehendenLändern) ist—irrationalistisch-emotional-voluntaristisch und den Erfindungstrieb, den Machttrieb,den Trieb zu wirtschaftlicher Tätigkeit als die großen Beweger der Ge-schichte ansprechen — vermögen in dieser Allgemeinheit zwar die immergleiche Struktur der menschlichen Gesellschaft zu erklären, niemals aberein besonders Geschehen in einer besonderen Spanne Zeit der Geschichte.
Um dieses zu verstehen, müssen wir vielmehr scharf umrissene, be-stimmte, eben auch besondere Triebkräfte auffinden, das heißt Motive,die eine besondere Erscheinung, wie es in unserem Falle der Hoch-kapitalismus ist, „verständlich“ machen. Das heißt: wir müssenhistorisch eigenartige Beweggründe entdecken.
Diese Beweggründe, wenn sie auch historisch eigenartig sind, werdendort, wo sie eine Massenerscheinung, wie einen wirtschaftlichen Zustand