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Erster Abschnitt: Die treibenden Kräfte
2. Der Kaufmann geht vom Marktbedürfnis aus und entschließtsich zur Herstellung derjenigen Produkte, die er für die absatzfähigstenhält. Er hat „Zukunftsaugen“ (Pinner), mit denen er die wahrschein-liche Bedürfnisgestaltung voraussieht, der er dann durch geschicktePropaganda nachhilft. Der ideale Kaufmann ist der, der Bedürfnisseschafft, für die er dann die Befriedigungsmittel herstellt. Nicht derArbeitsmarkt, sondern der Warenmarkt ist das Hauptfeld seiner Tätig-keit, nicht die Werkorganisation, sondern die Absatzorganisation istseine entscheidende Schöpfung. Zum Unterschiede vom eindimensionalenFachmann ist der Kaufmann zweidimensional: flächenhaft, ausweitend.Seinen Neigungen und Fähigkeiten entspricht die SuggestionskonkurrenzDie englische Sprache bezeichnet ihn als Business man.
3. Der Finanzmann geht vom Kapitalbedürfnis aus: Kapitalbe-schaffung und Kapitalzusammenfügung namentlich mittels börsentech-nischer Maßnahmen ist seine Haupttätigkeit. Er beherrscht daher vonden drei Märkten vornehmlich den Kapitalmarkt: er lebt sich in Grün-dungen, Fusionen, Konzernbildungen aus. Er betreibt mit besondererVorliebe den Aufbau von Unternehmungen, er ist konstruktiv tätig: drei-dimensial. Er bevorzugt die Gewaltkonkurrenz. In den angelsächsischenLändern, insbesondere jetzt in den Vereinigten Staaten nennt man ihnCorporation financier.
Die drei Typen stellen in obiger Reihe eine Stufenfolge fortschrei-tender Entkonkretisierung der Unternehmertätigkeit dar.
Unnötig, noch ausdrücklich darauf hinzuweisen, daß diese Typen inden seltensten Fällen rein, vielmehr der Regel nach gemischt auftreten.Und zwar finden sich am häufigsten Mischungen zwischen Fachmann undKaufmann und zwischen Kaufmann und Finanzmann. In gewissemSinne folgen sich die drei Typen in der hier gewählten Reihenfolge auchzeitlich aufeinander. Der reine Fachmann gehört mehr der frühkapita-listischen als der hochkapitaüstischen Epoche an, in der vielmehr diebeiden andern Typen immer häufiger erscheinen. Der Finanzmann wirdum so bedeutsamer, je mehr die Konzentrationsbewegung im Wirtschafts-leben an Ausdehnung gewinnt.
Ebenso selbstverständlich ist es, daß die verschiedenen Gebiete desWirtschaftslebens verschiedene Anforderungen an die Unternehmer-funktion stellen und deshalb auch den verschiedenen Typen verschie-dene Chancen der Betätigung gewähren. Auf dem Gebiete der Fein-mechanik wird der Fachmann, auf dem der Massengüterherstellung oderbei dem Betriebe von Warenhäusern der Kaufmann, bei der Begründung