Zweites Kapitel: Die neuen Führer
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auch dem kapitalarmen Manne ermöglicht: „Kreditanstalten sind dieStützen für das Genie“, ist ein oft angeführtes Wort, das von der BremerHandelszeitung im Jahre 1856 geprägt wurde.
Der Aufstieg zum Unternehmertum erfolgt, soviel wir zu sehen ver-mögen, meist in generationsweisen Staffeln: die vorletzte Staffel ist der(alte und neue) Mittelstand.
Daß auch die großen Führer unserer Tage häufig sehr klein an-gefangen haben, lehren uns die Lebensbeschreibungen dieser Männer,die wir ja in großer Zahl besitzen.
Beispiele: In Deutschland stammen von den Großen aus dem Mittel-stände, teilweise aus dessen unterster Schicht und fangen in kleinen,abhängigen Stellungen an: Ballin (Auswandereragent), Bosch (Bauernsohn,fängt mit 10000 Mk. an), Dernburg, Helfferich (beide aus Gelehrten-familien), Deutsch (Vater Kantor), Fürstenberg (Kommis), Kirdorf (fängt,nachdem das väterliche Vermögen verlorengegangen, als kaufmännischerLeiter einer kleinen Kohlenzeche an), Isidor und Ludwig Löwe (VaterGemeindeschullehrer), Emil Rathenau (Ingenieur in bescheidenen bürger-lichen Verhältnissen), Werner Siemens (Artillerie-Leutnant: gründet mit6000 geborgten Talern die „Telegraphenbauanstalt“).
Die großen Warenhausbegründer: Jandorf, Tietz, Wertheim (fangenals kleine Ladner in östlichen Provinzstädten an).
In Amerika ist die Zahl der großen Emporkömmlinge vielleicht nochgrößer: Carnegie (Sohn eines armen schottischen Webers), Ford (Sohneines kleinen Farmers), Harriman (Sohn eines Hungerpastors auf LongIsland), Rockefeller, H. H. Rogers und viele andre sind hier zu nennen.
2. Eine sehr wesentliche Verschiebung hat die Zusammensetzungder internationalen Unternehmerschaft in völkischer Hinsicht er-fahren, dadurch, daß die Führerschaft im Laufe des hochkapitalistischenZeitalters immer mehr auf die in ihrem Kern germanischen Nationenübergegangen ist (während, wie wir früher feststellen konnten, derSchwerpunkt des Wirtschaftslebens während der frühkapitalistischenEpoche in den wesentlich romanischen Völkern gelegen hatte).
Im Jahre 1910/11 nahmen Deutschland, England und die VereinigtenStaaten an der Erzeugung der wichtigsten Rohstoffe und Halbfabrikatein folgendem Verhältnis teil: Zink 65%, Blei 71%, Rohöl 71 °/ 0 , Baum-wollgarn 75% (Anteil der Spindelzahl), Kupfer 76%, Stahl 78%, Roh-eisen 79%, Baumwolle (ohne Ägypten) 80%, Steinkohle 82%, Koks 84%.
Ein anderer, wichtiger Umstand, dessen hier Erwähnung zu tun ist,ist der: daß in allen Ländern einen wachsenden Anteil an der Leitungdes Wirtschaftslebens die Juden sich erobert haben.
In Deutschland waren vor dem Kriege von den Direktoren industriellerUnternehmungen 13,3% Juden (die selbst nur etwa 1% der Bevölkerung