Drittes Kapitel: Die Entfaltung der wirtschaftlichen Energie 25
spricht und schreibt man unendlich umständlich. Langsam, gravitätischschreitet man daher. Man weiß noch, was Würde des Auftretens be-deutet.
Allen bisher hervorgehobenen, dem hochkapitalistischen Zeitaltereigentümlichen Strebungen gemeinsam ist der Unendlichkeitsdrang,ist die Grenzenlosigkeit der Zielsetzung, ist die Kraft, die über allesorganische Maß hinausstrebt. Es liegt hier eine jener inneren Wider-sprüche zutage, von denen die moderne Kultur erfüllt ist: daß dasLeben in seiner höchsten und stärksten Betätigung über sich selberhinausgreift und, wie wir noch feststellen werden, sich selber zerstört.Was uns hier aber an dieser Tatsache fesselt, ist die Wirkung, die sieauf das Wirtschaftsleben ausübt. Alle jene ins Unbestimmte hinaus-strebenden Kräfte verleihen der hochkapitalistischen Wirtschaft ihrenausgesprochen dynamischen Charakter. Auch diese wohnt allem Kapitalis-mus seiner Idee nach inne: ein Werk der in der neuen Zeit zur Ent-faltung kommenden Lebenskräfte ist es, diese Bestandteile der Ideezur Verwirklichung zu bringen.
2. Nun äußert sich aber die Steigerung der wirtschaftlichen Energieim Zeitalter des Hochkapitalismus keineswegs nur in der Entfaltungjener eben gekennzeichneten Triebe. Vielmehr wirkt in gleicher Bichtungwie diese eine Tatsache, die in einem sonderbaren Gegensätze zu derkraftvollen Äußerung jener höchst irrationalen Mächte steht; das istdie sublimste Ausbildung gerade des ökonomischen Ratio-nalismus, das heißt: die Durchdringung aller Wirtschaft mit denfeinsten Methoden rationaler Zweckgedanken. Sodaß dem immer stür-mischeren Willen nach Ausweitung der wirtschaftlichen Energie eineSteigerung der Intelligenz, des Wissens und Könnens, diese Energie zurwirkungsvoller Anwendung zu bringen, entspricht.
3. Dieser (innerlich) zur völligen Reinheit gelangte kapitalistischeGeist, dieses seltsame Gemisch von leidenschaftlichem Unendlichkeits-drang und kühler rationaler Überlegung, dehnt sich nun (äußerlich)immer weiter aus. Und diese intensive und extensive Verwirk-lichung des kapitalistischen Geistes ist eben das kennzeichnende Merk-mal, das das Zeitalter des Hochkapitalismus von dem des Frühkapitalis-musunterscheidet. Die extensive Verallgemeinung ist in einem mehrfachenSinne zu verstehen: zunächst wird das gesamte Unternehmertum vonihm ergriffen. Dann aber werden auch die Angestellten und schließlichimmer weitere Kreise der Arbeiterschaft von ihm angesteckt. Endlichist die Ausdehnung im geographischen Verstände zu fassen: die ganze