Druckschrift 
3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
Entstehung
Seite
84
Einzelbild herunterladen
 

84

Dritter Abschnitt: Die Technik

sein. Das ist z. B. der Gedankengang in Hobsons Buche über den modernenKapitalismus. Aber das stimmt nun leider nicht mit den Tatsachen über-ein. Wir erfahren aus dem Munde sehr urteilsfähiger Beobachter im An-fänge des 18. Jahrhunderts, daß die Erfindungsgabe der damaligen Eng-länder gerade sehr niedrig eingeschätzt wurde. So heißt es bei dem immerrichtig sehenden B. Mandeville in seinen Pensees libres sur la religion(1729), 459: ,,les habitans de la Grande Bretagne . . sont appliques et in-dustrieux, belliqueux (!) quand ils sont bien disciplines et fermes jusqu älopiniätrete quand quelque passion irrite leur valeur. Ce sont dadmirablesartisans de toute la manibre, mais moins propres ä inventer quärencherir sur les inventions des autres (!). Diese Beobachtung stimmt sehrgut mit der Tatsache überein, daß in der damaligen Zeit Deutschland als die Heimat der Erfindergenies galt. Und doch wurden alle entscheiden-den Erfindungen des späteren 18. und frühen 19. Jahrhunderts nicht inDeutschland, nicht in Erankreich, sondern in England gemacht.

Mindestens wird man aus den Lehren der Geschichte den Schlußziehen müssen, daß etwa vorhandene Begabungen in einem Volkedoch nur zur Betätigung gelangen, wenn ganz bestimmte äußere Be-dingungen erfüllt sind. Diese Feststellung gibt aber der dritten Art zufragen ihre Bedeutung. Diese Frage nach der Ergiebigkeit der Er-findertätigkeit zu bestimmten Zeiten ist nun gerade am seltenstenwenn überhaupt je gestellt worden. Es ist diejenige, die hier zu be-antworten ist; sie lautet also mit der geziemenden zeitlichen Ein-schränkung: welches sind im Zeitalter des Hochkapitalismus undwie wir gleich zum besseren Verständnis ergänzend hinzufügen wollenim Zeitalter des wissenschaftlichen Verfahrens die Bedingungen derErfindertätigkeit? Was mit der Frage übereinstimmt: woraus er-klärt sich die Überfülle von Erfindungen inunserer Zeit?

Gemäß der Doppelseitigkeit des Problems, auf die oben hingewiesenwurde, werden wir die Frage teilen müssen in die Frage nach denobjektiven und die nach den subjektiven Bedingungen des Erfindungs-wesens.

Die beiden folgenden Unterabschnitte versuchen, die Antwort aufdiese beiden Fragen zu geben.

2. Die objektiven Bedingungen

stimmen im Zeitalter des Hochkapitalismus sämtlich dahin überein,daß sie die Erfindungen erleichtern wie nie zuvor. Sie sind der Ver-mehrung der Erfindungen ebenso homogen, wie sie früher heterogenwaren.