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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
Entstehung
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Siebentes Kapitel: Der neue Geist

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Die günstigen Bedingungen haben wir vornehmlich in folgendenUmständen zu erblicken:

1. der wissenschaftlichen Grundlage der modernenTechnik.

a) Die Obj ektivierung des technischen Wissens gewähr-leistet die Erhaltung eines vorhandenen Besitzstandes an solchem Wissen,das heißt: es beseitigt die Gefahr, die früher immer drohte, daß eintechnisches Wissen verloren ging, sie ermöglicht die leichte Über-tragung und damit die Verallgemeinerung des Wissens und der nochvorhandenen Probleme.

b) Die Systematisierung des technischen Wissens undseine Einordnung in den allgemeinen Naturkausalzusammenhang ge-stattet die systematische Weiterbildung des vorhandenen Wissens, diean die Stelle des früheren systemlosen Probierens tritt, v. G o 111spricht in zutreffender Weise von einemeinheitlichen System dertechnischen Fragestellung und meint damit die Tatsache, daß jedeLösung eines technischen Problems als Teillösung des Gesamtproblemserscheint, jede Lösung neue Probleme stellt und gleichzeitig die Hin-weise auf ihre Lösung in sich enthält. Das besagt, daß durch einetechnische Erfindung sofort die Möglichkeit neuer Erfindungen er-kannt wird. Man denke an die Problematik der Elektrizität und ihrerNutzung, die sofort immer nach drei Seiten hin: in das Gebiet desLichts, der Wärme und der Kraft ihre Strahlen wirft.

Wir können also von einer der wissenschaftlich unterbauten Technikinnewohnenden (immanenten) Tendenz zu grenzenloser und fast auto-matischer Ausweitung des technischen Wissens sprechen.

c) Die Mathematisierung gibt in manchen Fällen dieserTendenz eine zwangsläufige Richtung, indem sie die Problemstellungschematisiert.

Ein lehrreiches Beispiel für diese Zwangsläufigkeit des Erfindens sinddie Erfindungen auf dem Gebiete der Anilinfarbentechnik. Hier ist be-kanntlich der Ausgangspunkt die berühmte Benzolstrukturformel AugustKekules. Aus dieser Strukturformel ergab sich, nach dem Gesetze derSubstituierung, eine unermeßlich große Anzahl vonBenzolderivaten,das heißt mathematisch vorausbestimmbarer Substitutionsmöglichkeiten.Es entsprang also aus der Kekuleschen Theorie die Anregung zu tausend-fältigen Experimenten, die nun systematisch von dem ungeheuren Stabewissenschaftlich gebildeter Chemiker angestellt werden konnte, über den,wie wir noch sehen werden, unsere Zeit verfügt. Siehe die für chemischeLaien vortreffliche Darstellung dieser Zusammenhänge bei A. Binz ,Kohle und Eisen 2 , 94Ul.