Dreizehntes Kapitel: Die Entstehung des Geldkapitals im allgemeinen J57
Deshalb sind von ganz besonderer Bedeutung für die Kapitälbildungdie großen Einkommen (Vermögen). Und daß die Kapitalbildungim Zeitalter des Hochkapitalismus so rasche Fortschritte gemacht hat,hat nicht zuletzt seinen Grund in der Tatsache, daß in dieser Periodesich in weitem Umfange große Einkommen (Vermögen) gebildet haben.
Wir können drei Hauptfälle der Bildung großer Einkommen(Vermögen) in unserer Zeit unterscheiden, auf die ich wenigstensmit einigen Worten hin weisen will, ohne imstande zu sein, in irgend-wie zureichender Weise die Bedeutung dieser großen Ansammlungenvon Einkommensberechtigungen an einzelnen Stellen für die Kapital-bildung ziffernmäßig feststellen zu können. Die drei wichtigsten Quellen,aus denen große Einkommen fließen, sind
a) die Grundrente aus Land- und Häuserbesitz.
Als Beispiele mag einerseits der Kaiser von Rußland dienen, alsVertreter im wesentlichen seigneurialen Reichtums, andererseits eineReihe amerikanischer Milliardäre als Vertreter bürgerlichen Reichtums.
Uber das Einkommen des Zaren in den letzten Jahren vor dem Kriegesind folgende Ziffern bekannt:
Sein Jahreseinkommen betrug mindestens 150 Millionen Mark. Unddabei konnten zahlreiche große Rrongüter nicht mitgerechnet werden, weilsie kaum erschlossen und daher nicht ausgebeutet waren.
Das Vermögen des Zaren bestand aus seiner Zivilliste, seinen industriellenEtablissements, den kaiserlichen Rrongütern und den Ländereien, die durchErbschaft oder Kauf zu seinem persönlichen Eigentum geworden warenund einen Flächeraum bedeckten, welcher so groß war wie ganz Deutsch-land. Die Zivilliste betrug mehr als 32 Millionen Mark. Von dieser Summewurden mehr als 4 Millionen für die kaiserlichen Theater und für die Aka-demien aufgewendet. Die Großfürsten und Großfürstinnen erhielten mehrals 2 Millionen, die Kaiserin-Witwe und die Zarin jede etwa 520000 Markals Taschengeld. Ferner legte der Zar jedes Jahr für jede seiner Töchterbis zu ihrer Großjährigkeit 80000 Mark zurück und 200000 Mark für denjungen Alexis, den mutmaßlichen Thronerben. Für sich selbst also behieltder Zar jährlich 24 Millionen zurück.
Sicher ist, daß er einen großen Teil dieser Summe „anlegte“, dennalle Welt weiß, daß seine Lebenshaltung schlicht und einfach war. Mangeht wohl nicht fehl, wenn man annimmt, daß das Grundkapital durchErsparnisse jährlich um 15 bis 16 Millionen vermehrt wurde. Aus einer imJahre 1906 veröffentlichten „Abrechnung“ erfuhr man, daß die persönlichenErsparnisse des Zaren damals 192 Millionen betrugen; seitdem dürften sie biszu seinem Ende wahrscheinlich auf 240 bis 250 Millionen angewachsen sein.
Die kaiserlichen Krongüter waren so groß wie Irland und umfaßten dieschönsten Wälder Europas. Die Wälder wurden methodisch ausgebeutet,und der Zar verkaufte Unmengen Brennholz, Bauholz usw.; ein Drittel