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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
Entstehung
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Dreizehntes Kapitel: Die Entstehung des Geldkapitals im allgemeinen lß3

wie ich ihn eben für die Anfänge der modernen Technik in einigen Pro-duktionszweigen geschildert habe, sich im kleinen jeden Augenblick, undzwar in allen Wirtschaftsgebieten, wiederholt, so daß sich immer wiederGelegenheit zu Extraprofiten ergibt, solange die Technik revolutionärist und so lange technische Neuerungen eine wesentliche Steigerung derProduktivität oder Ökonomität bewirken. Daß das erste der Fall ist, hatunser Überblick über die Fortschritte der modernen Technik ergeben, in-wieweit die zweite Bedingung im Laufe des 19. Jahrhunderts erfüllt ist,werden wir im 17. Kapitel in Erfahrung bringen. Kein Zweifel, daß beideBedingungen in so weitem Umfange erfüllt waren, um die Quellen derExtraprofite im 19. Jahrhundert reichlich fließen zu lassen und damiteine der ergiebigsten Quellen der Vermögensbildung.

Ein Blick auf die Ertragsstatistik der Aktiengesellschaftenbestätigt die Richtigkeit dieser Ausführungen.

Von dem Aktienkapital der deutschen Aktiengesellschaften bezog imJahre 19121913 eine Dividende von mehr als 10% mehr als ein Viertel(25,2%). Dieser Anteil der Aktiengesellschaften, die einen Extraprofitabwarfen, stieg im Bergbau-, Hütten- und Salinenwesen auf 47,74%, imSteinkohlenbergbau allein auf 65,69%, im Braunkohlenbergbau auf 56,44%,in der chemischen Industrie auf 65,72%. (Stat. Jahrb.) Die vier leitendenchemischen Fabriken verteilten von 1902 bis 1911 je 196, 255, 259, 300%Dividende bei einem Gesamtkapital von 122 Millionen Mark. J. Singer,Das Land der Monopole (1913), 211.

In Österreich, verteilten von 100 Aktiengesellschaften mehr als 20%Dividende: 1909 5,1 ,1910 4,2 ,1911 3,9 ,1912 4,2 ,1913 2,3%. HSt l 4 , 163.

Daß auch heute noch vorübergehend sehr hohe Extraprofite in derIndustrie erzielt werden, lehrt der Kurszettel. Die Auergesellschaft zahltejahrelang über 100% Jahresdividende. Die Kontinental-Kautschuk-Ge-sellschaft zahlte von 1892 bis 1911 860% Dividende. Henry Fords Netto-bargewinn belief sich nach seinen eigenen Angaben in den letzten Jahrenauf über 50 Millionen $ jährlich.

Zu einem Extraprofit führen wegen .der Größe ihrer Anlagen häufigdie modernen Verkehrsunternehmungen, namentlich die Eisen-bahnen. Es kommt nicht darauf an, daß sämtliche Anlagen hohe Pro-fite abwerfen viele werden unrentabel sein, und der Durchschnittsprofitaller Eisenbahnunternehmungen ist gar nicht übermäßig groß. Es genügt,daß einige in hohem Maße gewinnbringend gewesen sind, wie es tat-sächlich der Fall war. So zahlten die Bahnen im Jahre 1869 Dividende:

LeipzigDresden .... 25%

Sächsische Kohlenbahn . 2324 ,,NürnbergFürth .... 19 ,,

Magdeburg-Leipzig ... 18

BerlinPotsdam Magde-burg.17%

K. Ferdinand Nordbahn . 15

usw.

Nach W. F. Carl Schmeidler, Geschichte des deutschen Eisenbahn-wesens (1871), 183.

Zu B. In der Regel rührt die Überlegenheit, die einer Unternehmungeine Vorzugsstellung auf dem Markte gewährt, von irgendwelchen tech-

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