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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
Entstehung
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Dreizehntes Kapitel: Die Entstehung des Geldkapitals im allgemeinen X(J9

das Bestreben bat, sieb mögbcbst bald aus dem Geschäft zurückzu-ziehen, der deshalb seine Geschäftsüberschüsse lieber in sicheren, zins-tragenden Rentenpapieren anlegt, statt sie zur Erweiterung seines Ge-schäfts zu verwenden und der, wie wir früher gesehen haben, für diefrühkapitalistische Periode noch bezeichnend war, ist allmählich aus-gestorben. Heute hat, wie wir ebenfalls wissen, die große Mehrzahl derUnternehmer ein wahrer Geschäftsfanatismus ergriffen, aus dem heraussie den Drang fühlen, ihr anwachsendes Vermögen als Kapital, wennmöglich in der eigenen Unternehmung zu verwenden. Der Dienst amUnternehmen fordert diese Haltung.Ich betrachte jeden einen ge-wissen, niedrigen Prozentsatz übersteigenden Gewinn als mehr dem Ge-schäft als den Aktionären gehörig, spricht Henry Eord im Namen dermeisten seiner Standesgenossen (a. a. 0. Seite 189.).

Aber auch das Anlage suchende große Publikum hat die Scheu vorder Beteiligung an gewinnbringenden Unternehmungen zum großenTeil aufgegeben. Es kauft Aktien, Obligationen und Hypotheken auchund mit Vorliebe aus erster Hand, das heißt in einem Zeitpunkte, indem es sein Geld dadurch noch in echtes Kapital verwandelt. Daßauch dasnegative Kapital, das heißt die zum Ankauf schon vor-handener Effekten verwandten Geldsummen, zu einem beträchtlichenTeil für das Kapitalverhältnis gerettet werden, werden wir fest-zustellen später noch Gelegenheit haben.

Ein weiterer Umstand, der die Kapitalbildung befördert, ist

b) die zunehmende Ausdehnung des Kapitalverhältnisses.Diese bewirkt, daß die Möglichkeiten der Kapitalverwertung immerzahlreicher werden und damit die Leichtigkeit und der Anreiz, Spar-beträge in Kapital zu verwandeln, wachsen. Man kann also sagen, daßautomatisch mit der Ausweitung des Kapitalismus die Chancen derKapitalbildung sich verbessern.

Damit im Zusammenhänge steht derjenige Vorgang, den man alsFunktionswechsel der Anleihen bezeichnen kann. In dem Maßenämlich, in dem sich die kapitalistische Produktion ausdehnt, werdendie Gelder, die öffentliche Körper vereinnahmen, doch wieder als Kapitalverwandt, während sie früher in viel größerem Umfange entweder un-mittelbar zu konsumtiven Zwecken verwandt wurden oder dem Hand-werk zuflossen. Man denke an die Verwendung von Anleihen nament-lich der Gemeinden zu öffentlichen Bauten, zu Verkehrsanlagen, zurAnlage von Gas-, Wasser- oder Elektrizitätswerken usw. Immer tretendie geliehenen Gelder in das Kapitalverhältnis ein. Aber selbst die