174
Erster Abschnitt: Das Kapital
3. Einen andern Weg, um zu einer Gesamtwertzuwachsziffer undalso zu einer Erfassung der Kapitalakkumulation zu gelangen, hat inletzter Zeit mit glücklichem Erfolge Gustav Cassel beschritten: denWeg über die Größe der Goldproduktion.
Die Erwägungen, die es angängig erscheinen lassen, mit Hilfe derGoldproduktionsstatistik auf den Umfang der Güterproduktion zuschließen, sind folgende: Wenn die Goldproduktion der Preisbildungparallel geht, das heißt, wenn die Preise nicht steigen, obwohl dieGoldproduktion zunimmt, so beweist das, daß sich der Warenumfangin gleichem Verhältnis wie die Goldproduktion vergrößert hat: vor-ausgesetzt, daß zu den Zahlungen die gleiche Menge Gold gebrauchtwird. Wird weniger gebraucht — durch Beschleunigung des Geld-umlaufs und Ausbildung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs — so istdie Steigerung des Warenumsatzes entsprechend größer.
Die Tatsachen sind mm folgende:
Während des Zeitraums von 1850 bis 1910 hat sich der Goldvorratvon 10 auf 52 Milliarden Mk. vermehrt, das heißt um durchschnittlich2,8% (unter Berücksichtigung der Abnutzung um 3%) im Jahre.
Der Preisstand ist 1850 und 1910 derselbe; nach dem Sauerbeck-Index 1848-1851: 76; 1908-1911: 761/4.
Daraus schließen wir, daß sich der Warenumsatz während diesesZeitraums mindestens verfünffacht hat. Die Steigerung fällt haupt-sächlich in den Zeitraum von Mitte der 1890 er Jahre bis zum Jahre1910. Denn die Goldproduktion (und also der Warenumsatz) stieg:von 1850 bis 1893 (in 43 Jahren) von 3 auf 9„ 1893 „ 1910 („ 17 „ ) „ 3 „ 5.
Das sind nun nach dem Gesagten Mindestziffern, da sicherlich derBedarf an Gold in diesen Zeiträumen durch die angegebenen Mittelverringert worden ist, das heißt: mehr Umsätze mit derselben Gold-menge bewerkstelligt worden sind.
Immerhin besitzen wir auch in diesen Ziffern einen annäherndsicheren Anhaltspunkt, um die Steigerung der Umsätze und damit dieHöhe der Kapitalbildung zu bemessen. Unser Vertrauen in die Richtig-keit der Ziffern wird aber verstärkt, wenn wir feststellen können, daß-sie mit den auf dem Wege der Volksvermögen- und Volkseinkommen-ermittlung gewonnenen fast genau übereinstimmen.