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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
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Erster Abschnitt : Das Kapital

Fall um einen ganzen Industriezweig (wie etwa die Baumwollspinnerei).Damit ist uns für unsere Zwecke wenig geholfen. Zu einem Urteil überdie Entwicklung der ökonomischen Leistungsfähigkeit der Industriegelangen wir auf diesem Wege nimmer. Denn geradezu verbrecherisch istdas Unterfangen, irgendwelchen besonders krassen Einzelfall etwastarker Produktivitätssteigerung zu verallgemeinern. Welcher Unfugist schon angerichtet worden mit den Ziffern der Baumwollspinnerei,aus denen man eine tausendfache (so Friedrich Engels ) Steige-rung der allgemeinen (!) Produktivität glaubte ableiten zu können!

Zunächst hat sich die Produktivität in diesem Industriezweig selbst wenn wir einmal die obigen Preisziffern als Ausdruck der Produk-tivitätssteigerung anerkennen wollen, sie drücken jedenfalls einenHöchst-satz aus in dem ersten Menschenalter nach der Einführung derSpinnereimaschine nicht mehr als vervierzehnfacht, seitdem vielleichtnoch einmal verdreifacht. Nun steht aber der Fall der Baumwoll-spinnerei ganz vereinzelt da. Schon in der Woll- und Flachsspinnereiist die Produktivitätssteigerung sehr viel geringer, in der Weberei istsie sehr unbedeutend. Und andere Industrien weisen ganz und garandere Verhältnisse auf. Eine große Reihe hat jedenfalls gar keine odernur eine geringe Steigerung ihrer Produktivität erfahren. Wie sollteman also zu einem Gesamturteil auf induktivem Wege gelangen?

Die einzige Ziffer, die ein solches begründen könnte, ist meinesWissensdie Produktionsziffer, die für die Vereinigten Staaten von Amerika imZensus mitgeteilt wird. Obgleich auch sie zu zahlreichen BedenkenAnlaß gibt, läßt sie sich doch, wie ich glaube, verwenden, um eineganz ungefähre Vorstellung von der Entwicklung der Produktivitätder Industrie zu gewinnen. Leider reichen die Ziffern nicht weiter alsbis 1899 zurück, so daß sich nur die letzten 20 Jahre überblicken lassen.In diesem Zeitraum stieg die Produktionsmenge in 42 Industrien (dieetwa die Hälfte des gesamten Produktionswertes erzeugen) von 100auf 198; die Zahl der Lohnarbeiter von 100 auf 161. Setzen wir voraus,daß die Länge der Arbeitszeit und die Arbeitsintensität dieselben ge-blieben seien, so würden wir für die ersten 20 Jahre dieses Jahrhundertsin der Tat eine leise Steigerung der Produktivität um 1520% an-zunehmen berechtigt sein.

Würden wir dieses Steigerungsverhältnis auf das ganze 19. Jahr-hundert übertragen, so würden wir auf eine Zunahme der Produktivitätin der Industrie auf etwa 75100% in 100 Jahren kommen. Nun istallerdings das Tempo der industriellen Entwicklung niemals und