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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
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Siebzehntes Kapitel: Die Entfaltung der Produktion

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nirgends so stürmisch gewesen wie während der ersten zehn Jahredes zwanzigsten Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten . Andererseitsist zu berücksichtigen, daß in den Anfängen der modernen Industrie,als man von der Handarbeit zur Maschinenarbeit erstmalig überging,in manchen Produktionszweigen noch größere Steigerungen der Produk-tivität mögen vorgekommen sein, und daß die Produktivitätssteigerungwährend der letzten zehn Jahre in der amerikanischen Industriezweifellos sehr verlangsamt ist.

Alles in allem berücksichtigt, wird man eine Zunahme der Pro-duktivität in der Industrie während der hochkapitalistischen Epocheum 100% wohl annehmen dürfen. Jedenfalls kann die Wahrheit nichtsehr weit von dieser Ziffer entfernt liegen, weder nach unten nochnach oben hin.

Glücklicherweise verschlägt diese Ungewißheit über die tatsächlicherfolgte Steigerung der Leistungsfähigkeit in der gewerblichen Pro-duktion nicht allzuviel. Denn wie wir von unseren theoretischen Be-sinnungen her wissen, hat dieser Umstand für den Aufbau des Kapita-lismus nur eine untergeordnete Bedeutung. Hätte dieser mit seinerEntwicklung auf die Steigerung der Leistungsfähigkeit in der Industriezu warten gehabt, so hätte er lange warten müssen.

Viel bedeutsamer waren für die Beschaffung des Sachkapitals schon

2. die Fortschritte in der Mobilisierbarkeit der Güterwelt,über die im folgenden Kapitel zu berichten sein wird.

Aber auch sie brachten ebenso wie die Fortschritte der Industrie kein Brot auf den Tisch und keine Rohstoffe in die Werkstatt, woraufes doch ankam, wenn der kapitalistische Körper wachsen sollte. Des-halb mußte man, wenn man dessen Wachstum (im Rahmen des Aus-baues) fördern wollte, die bestehende Wirtschaft nach einer drittenSeite hin auszubauen trachten. Man mußte

3. die Leistungsfähigkeit des Bodens zu steigern ver-suchen.

Da bieten sich, wie wir gesehen haben, drei Möglichkeiten dar,und alle drei Möglichkeiten sind mit Leidenschaft ergriffen worden,um dem sich weitenden Kapitalismus Spielraum zu schaffen.

a) Die Produktionsverschiebung, der man zunächst sein Augen-merk zuwandte, sollte das Sachkapital vermehren durch Anbau er-tragreicherer Pflanzen oder Ersatz kostspieligerer Stoffe durch billigerezur Befriedigung eines bestimmten Bedarfs. Mittels dieser Maßregelnerreichte man also, daß man auch ohne Vervollkommnung der

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