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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
Entstehung
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Siebzehntes Kapitel: Die Entfaltung der Produktion

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Also dieses war der Fernsehern: Steigen der Preise der notwendigenLebensmittel, Verteuerung der Arbeitskraft, Sinken des Mehrwertes:Ende der kapitalistischen Herrlichkeit.

Daß diese von einer anderen Seite her bedroht war, der des zu-nehmenden Holzmangels, also des wichtigsten Stoffes im Bereiche deralten, organischen Technik, habe ich früher schon nachgewiesen. Waswollte die Steigerung der Nutzholzprozente besagen gegenüber der all-gemeinen Holznot, in die sich die Wirtschaft beim Beginn der hoch-kapitalistischen Ära versetzt sah!

So können wir recht gut begreifen, daß klar- und weitblickendeBeobachter jener frühen Zeiten die Zukunft in dunklen Farben malten.Ricardo glaubte den Untergang des Kapitalismus vorauszusehen, undzweifellos wäre dieser in sehr kurzer Frist eingetreten, wenn der euro-päischen Wirtschaft keine anderen Wege zur Ausweitung ihres Daseins-raumes zur Verfügung gestanden hätten als die, die wir bisher verfolgthaben, kein anderes Auskunftsmittel als das, das ich den Ausbau derWirtschaft genannt habe. Nutzlos die Fortschritte der Technik, nutzlosdie Fortschritte der Landwirtschaft, wenn nicht irgendwoher neuerStoff zugeführt, Korn in die Mühle gebracht wurde, die ohnediese Zufuhr leer zu laufen drohte. Wir wissen aus dem theoretischenÜberblick, auf welchen Wegen dieseSubstanz zu beschaffen war:auf dem Wege des Anbaues und dem des Abbaues. Wiederum stürztensich die profithungrigen Menschen in wilder Hast auf diese Wege.Wir verfolgen sie auf ihnen.

II. Der Anbau

1. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war noch in West-europa eine Menge unbesiedelten Bodens vorhanden, auf den mannun zunächst den Anbau ausdehnte.

Das Ackerland in den alten Provinzen Preußens betrug:

1802 . 10 Mill. ha

1893 . 14,5

Aber vom letzten Drittel des Jahrhunderts an ist Westeuropa vollbesiedelt; die fünf wichtigsten Zerealien (Weizen, Roggen, Gerste,Hafer, Mais) nahmen daselbst ein eine Fläche von 1000 ha:

18711875 . 54243 ha

19011905 . 54159

Bei Sundbärg, a. a. O.