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Erster Abschnitt: Das Kapital
wenn wir etwa den Anteil der deutschen Einfuhr an der Gesamterzeugungder Vereinigten Staaten veranschlagen und somit auch den Anteil an dermit Baumwolle bestandenen Fläche Nordamerikas . Dann ergibt sichfolgende Rechnung (nach den Ziffern des Stat. Abstr. U. S. )
GesamterzeugungderVereinigten Staatenan Baumwolle(Tausend Ballen)
Davon gingennach Deutschland (Tausend Ballen)
Anteil derdeutschen Einfuhran der amerikanischen Ernte
1912
14313
3156
22%
1913
14795
2444
16,5%
1914
16992
2884
16%
Die Anbaufläche betrug in diesen Jahren etwa 33 Millionen acres.Die nach Deutschland ausgeführte Baumwolle hatte also eine Fläche von5—7 Millionen acres eingenommen, das sind 2—2 y 2 Millionen Hektar.Nun betrug aber die Mehreinfuhr an Baumwolle nach Deutschland (1913)429,5, die aus Nordamerika nur 369,4 Tausend Tonnen, es wurden alsonoch etwa 17% der Menge der amerikanischen Baumwolle mehr eingeführt,deren Anbaufläche jenen 2—2 y 2 Millionen Hektar noch hinzuzufügen wären.
Zum Vergleich: Die mit Weizen bestandene Fläche in Deutschland betrug (1913) 1974098 ha.
Wollen wir für Jute ein ähnliches Rechenexempel anstellen, so kommenwir zu folgendem Ergebnis: 10 Mill. Ballen Jute werden auf der Erdeerzeugt, davon 99% in Nord-Ostindien. Dieser Anbau nimmt 3 Mill. acresin Anspruch. Deutschland bezieht etwa ein Viertel der Gesamtproduktion,belegt also etwa % Mill. acres Anbaufläche. Die Ziffern nach MagdaleneWillms, Zur Frage der Rohstoffversorgung der deutschen Juteindustrie,Probleme der Weltwirtschaft, 34, 1920.
Da im letzten Jahre vor dem Kriege etwa 100000 t an Flachs und Hanf(nebst Hede) mehr eingeführt als ausgeführt wurden und man in Rußland— dem Hauptgesteller — eine Ernte von 800 kg vom Hektar rechnet, sosparte Deutschland etwa 100000 ha durch diese Einfuhr.
Bei der Schafwolle müssen wir ausrechnen, wieviel Schafe außerhalbDeutschlands weiden, die das Rohmaterial für seine Wollindustrie liefern.Denn für dieses kommt die im Inlande erzeugte Wolle kaum in Betracht.Die Rechnung ist diese: Am 1. Dezember 1913 weideten in Deutschland 5520837 Schafe. Den Wollertrag des Schafes kann man — hoch — mit2 kg im Jahre rechnen. Die Schur der deutschen Schafe liefert also rund11000 t Wolle. Im Jahre 1913 betrug die Mehreinfuhr an Schafwolle nachDeutschland 182500 t, das sind 17 mal soviel wie die deutschen Schafeliefern. Fast 100 Millionen fremde Schafe sind neben den 6 Millionen deut-schen Schafen nötig, um für die deutsche Wollindustrie das Rohmaterialherbeizuschaffen.
Einen wichtigen Posten in der Versorgung Deutschlands mit Erzeug-nissen fremder Böden bilden die Felle und Häute.