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Zweiter Abschnitt: Die Arbeitskräfte
halten sind. Siehe die Zusammenstellung in der oben angeführten Ver-öffentlichung des Internationalen Kolonialinstituts.
2. Man würde nun aber irren, wenn man glaubte, daß nach Auf-hebung der Sklaverei auf dem Gesetzeswege die unfreie Arbeit aufgehörthätte zu bestehen. Sie nahm nur andere Formen an. Eine dieser Formenwar die sogenannte Kontraktarbeit. In den 1860er Jahren erfuhrdie Welt zuerst von diesem neuen System, das bei dem Verkehr zwischenden Südseeinseln, Neukaladonien und den Niederlassungen der Weißenauf Fidji zur Anwendung gelangte. Es wurden Arbeitskräfte auf Grundlangfristiger Verträge angeworben. „Ursprünglich scheint es sich umwirklich freiwillige Verträge gehandelt zu haben, aber bald wandten(die) Händler Betrug und Gewalt an. Man lockte die Eingeborenen unterfalschen Vorspiegelungen auf die Arbeitsschiffe und behielt sie widerihren Willen zurück, oder man ergriff sie am Ufer oder in ihren Kähnenund schleppte sie an Bord. Man erklärte ihnen die Natur ihrer Pflichtenund Rechte aus dem ihnen aufgezwungenen Arbeitsverhältnis nicht ge-nügend und mietete sie auf längere Fristen als die gesetzlich gestatteten.“Der Wirkungskreis dieses neuen Systems wurde bald erweitert. 1884lenkte der berüchtigte Hopeful-Prozeß die öffentliche Aufmerksamkeitin hohem Maße auf den queensländischen Handel mit Südseeinsulanern.Aber auch über das Gebiet der Südsee griff die Kontraktarbeit hinaus,und das System wurde namentlich in den englischen Besitzungen ganzallgemein verbreitet.
Von den Zuständen im Anfang dieses Jahrhunderts entwirft ein kundigerBeobachter folgende Schilderung:
„The System of employing contract labourers, Indians, Chineses, Malays,Kanakas and Africans . . . prevails to-day in nearly all the British de-pendencies, from Mysore (Madras) to Honduras, and from Borneo toJohannesburg. A recent writer in a London periodical, describing a Britishtobacco estate in Borneo, represents the manager as being constantlyemployed in devising means to prevent the scape of the ,coolies‘, whoseize every opportunity to regain their freedom, each escape ,meaning aloss of about £ 8 to the estate 1 . . . These properties (the mines) are workedby natives, who are practically bought- from headmen for a premium andforcibly condemned to work in the mines for a pittance which is scarcelysufficient to keep them alive and cover their nakedness.“ Del Mar,a. a. 0. S. 429/30.
Kontraktarbeiter, meist Chinesen, verrichten in immer größerem Um-fange die Arbeit auch in Niederländisch-Indien. So betrug die Zahl derin die Tabakplantagen in Deli überführten Kulis 1888 erst 1152, 1908bereits 9462. Die Arbeiter werden häufig von der Familie geliefert. K. L.Weigand, a. a. 0. Seite 104ff.