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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
Entstehung
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Zweiter Abschnitt: Die Arbeitskräfte

von Solms-Laubach verkauft hätten; ähnliches wird von zwei anderenOrtschaften in Hessen berichtet. Eugen Katz, Landarbeiter und Land-wirtschaft in Oberhessen (1904), 29f., 39. Ygl. W. Mönckmeier, Diedeutsche überseeische Auswanderung (1912), 39f. Dasselbe erfahren wiraus Nord- und Ostdeutschland. Uber die Verschiebungen in den östlichenProvinzen Preußens gibt uns die Statistik Aufschluß. Hier haben sich diebäuerlichen Besitzungen in den Jahren von 1816 bis 1859 um 5111 Stellenmit 1356604 Morgen Landes verringert; in Pommern und Schlesien wardieser Eückgang besonders stark: hier betrug er 13,18 und 12,80% dergesamten landwirtschaftlichen Fläche. Vgl. Sering, Innere Kolonisationim östlichen Deutschland. Sehr. d. V. f. S.-P., Bd. 56 (1893), 67ff. Aber auchvon den 1850 er bis in die 1880 er Jahre sind in Schlesien noch mehr als100000 ha Bauernland durch Auskauf zu den Großbetrieben geschlagenworden. Sering in den Landw. Jahrb.,Bd. 39, Erg.-Bd. 4, S. 615 und 627.

2. England

Die Entwicklung der Agrarverfassung in England ist besonders lehr-reich, weil die Auflösung zuerst sich hier zeigt, und weil der Einfluß, dender Übergang zur modernen Landwirtschaft auf die Umgestaltung derBetriebsverhältnisse ausübt, sich ohne jede ideologische Verbrämung wie inDeutschland bemerkbar macht. Eine besondere Note erhält die Entwick-lung in England durch das starke Vorwiegen des Pachtverhältnisses. Dieziemlich verwickelten Verhältnisse weisen etwa folgende Grundzüge auf:

I. Seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts beobachten wir ein raschesAnsteigen der Agrarproduktenpreise, seit der Mitte des Jahrhundertsvor allem der Getreidepreise: eine Folge der zunehmenden gewerblichenProduktion und Städtebildung. Dieses Steigen der Getreidepreise führtzu einer stetigen Ausdehnung des Getreidebaues auf Kosten des Weide-landes. Forbes spricht schon im Jahre 1778 von derallgemeinen Leiden-schaft Weizen zu bauen. Siehe weitere Zeugnisse bei Levy, Entstehung,S. 17ff. Die steigenden Preise ermöglichen und veranlassen den Übergangzu intensiverem Anbau: seit der Mitte des Jahrhunderts entwickeltsich dierationelle Landwirtschaft in England.

Die unmittelbare Folge der zunehmenden Intensität ist das Steigender Grundrente und der Pachtpreise, namentlich seit dem Ende des Jahr-hunderts.

Bis 1795 hatten die Bodenpreise sich in einzelnen Grafschaften wohlerhöht, in vielen anderen aber waren sie gleichgeblieben seit der Revolution.In den Jahrzehnten von 1795 bis 1833 verdoppeln sie sich oder steigen sogarauf ein Vielfaches ihrer ursprünglichen Höhe. War 1795 der BodenertragSchottlands auf 2000000 £ geschätzt, so bezifferte er sich 1815 auf5278685 £. Eine Farm in Essex, die vor 1793 zu 10 sh. pro acre verkauftwar, brachte 1812 (nach dem Kriege!) 50 sh., 1818 immer noch 35 sh.

pro acre. In Berks und Wilts war der Wert des acres von 14 sh. im Jahre-1790 auf 70 sh. im Jahre 1810 gestiegen und hielt sich auf 50 sh. im Jahre1820. Charakterisiert wird auch in England diese Hausseperiode durchhäufigen Besitzwechsel. Arnold Toynbee, Ind. Rev. (1896), 92. Andere