Dreiundzwanzigstes Kapitel: Die freie Zuschußbevölkerung 337
Zahlenangaben bei Levy, Not, 6/7. Im allgemeinen kann man annebmen,daß die Pacbtrente von den 1790 er Jahren bis zum Ende der napoleonischenKriege auf das Doppelte und Dreifache, oft auf das Vier- und Fünffachedessen stieg, was sie in den 1770er Jahren betragen hatte. Arthur Y oungberechnete die gesamte englische Grundrente 1776 auf 16 Millionen £,McCulloch im Jahre 1815 auf 34 y 3 Millionen £. Nach Mulhall.
2. Diesen veränderten Produktionsverhältnissen paßten sich nun dieBesitz- und Betriebsverhältnisse an. Sie erfuhren eine vollständigeUmwälzung dadurch, daß die Grundeigentümer ihr Land in der vorteil-haftesten Weise auszunutzen trachteten, anstelle des Traditionalismus denökonomischen Rationalismus setzten und anfingen, den Grund und Bodenausschließlich als Rentenquelle anzusehen.
Die Maßnahmen, die sich aus dieser psychologischen Umstellung er-gaben, waren folgende:
Der Grundherr sah nach kapitalkräftigen Pächtern aus, die imstandewaren, den Betrieb intensiv zu gestalten und die Pachtsumme zu erhöhen:,,undertaker“, as I may call him, wie sich James Stewart sehr richtigausdrückt. Inquiry, Book I ch. X. Das war, wie ein anderer englischerSchriftsteller sie kennzeichnet ,,a race of men who gave an considerableincreased rent. . . by improved modes of husbandry and by wringing fromthe soil all it could possibly yield“. Gaskeil, Artisans and machinery, 30.Diese „kapitalistischen Pächter“ kommen in der zweiten Hälfte des 18. Jahr-hunderts auf, nicht wie Marx, Kapital l 4 , 709, will, im 16. Jahrhundert.
Sodann suchte der Grundherr seinen Besitz so zu „arrondieren“, daßauf ihm eine rationelle Landwirtschaft möglich war, das heißt aus der Ge-mengelage herauszuziehen, in der er sich in sehr vielen Fällen noch befand.
Endlich war der Grundherr bemüht, seinen Besitz tunlichst zu ver-größern: durch Zukauf von Land und durch Beschlagnahme des altenGemeindelands.
Diesem letzten Zweck sowie dem Zweck der Arrondierung dienen be-kanntlich die „Enclosures“, die wir in der Zeit von 1760 bis 1820 sich raschvermehren sahen. Es ist zu bemerken, daß die „Einhegungen“ in dieserihrer Hauptzeit nicht mehr dazu dienten, Ackerland in Weideland, sondernumgekehrt: dieses in jenes zu verwandeln.
3. Die Folgen dieser Umwälzungen für die Lebensbedingungender Bevölkerung auf dem Lande liegen klar zutage: die Neuordnungbedeutete für zahlreiche kleine Wirtschaften das Ende ihres Daseins.
Zunächst verschwand der kleine Pächter, der seit Jahrhunderten dasLand in seiner altväterischen Art bewirtschaftet hatte und eigentlich nichtPächter im modern-rationellen Sinne, sondern mehr ein abgabepflichtigerHintersasse auf dem Grund und Boden des „Squire“ gewesen war, mit demihn auch eine noch halb feudale Gemeinschaft verbunden hatte. Er ver-schwand einfach deshalb, weil ihn der neugesonnene Grundherr ohne vielUmschweife entließ, um an seine Stelle den „undertaker-farmer“ zu setzen.
Aber es verschwand auch in weitem Umfange der selbständige Bauer,der free-holder, der in England um die Mitte des Jahrhunderts noch gelebthatte.
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