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Zweiter Abschnitt: Die Arbeitskräfte
derer, die schon in der Form von Fabriken oder Manufakturen auftreten,hat aber ihren entscheidenden Grund in der Eigenart der Technik,die auf weitgehender Verwendung von Holz sowie des Wassers alsmotorischer Kraft aufgebaut war: zweckmäßige Verwertung desHolz- und Wasserreichtums in den Wäldern wurde einer derHauptgesichtspunkte bei Anlage industrieller Unternehmungen, wieich das im zweiten Bande dieses Werkes ausführlich dargetan habe.
Es kann nun keinem Zweifel unterliegen, daß alle gewerblicheTätigkeit, die als Nebenbeschäftigung für die ländliche Bevölkerungin Frage kam, auf der ganzen Linie in einem stetigen Rückgänge be-findlich ist, der teilweise schon zu einem völligen Verschwinden geführthat. Leider vermögen wir nicht in so genauer Weise, wie es wohlwünschenswert wäre, für diese Tatsache auch den ziffernmäßigenBeweis zu erbringen. Immerhin geben einige Zahlen und andere Daten,die ich im folgenden zusammengestellt habe, uns genügenden Anhalt,um Rückschlüsse auf die Gesamtlage zu machen.
In Deutschland waren die ländlichen Gewerbe vor allem seit Mittedes 18. Jahrhunderts zur Entwicklung gelangt, und man kann sagen,daß bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts fast überall noch einezunehmende Tendenz sich bemerkbar macht. Ich habe an anderer Stelleschon darauf hingewiesen, wie sehr das Bild des gewerblichen LebensDeutschlands um die Mitte des 19. Jahrhunderts vor allem durch dasstarke Vorwiegen der ländlichen Hausindustrien bestimmt wird.Viele von diesen waren erst im zweiten Viertel des Jahrhunderts so rechtzur Blüte gekommen, und manche waren noch im Wachsen begriffen.Den Anreiz zu der weiteren Ausdehnung der ländlichen Hausindustrienim vorigen Jahrhundert hatte das langsam wachsende Verwertungsbedürf-nis des Kapitals gegeben, dem die zunehmende Überschußbevölkerung sichals treffliches Objekt darbot. Diese wurde gebildet zunächst durch denfast übermäßig starken Bevölkerungszuwachs auf dem Lande, sodann aberschon durch die infolge der Ablösungen und Gemeinheitsteilungen vielfachbedrängten Kleinbauern, Büdner, Häusler usw. Insbesondere kam bei den„befreiten“ Bauern die meist sehr beträchtliche Belastung mit einer Ab-lösungsrente hinzu, die gerade auch eine Vermehrung des Geldeinkommensaußerordentlich wünschenswert erscheinen ließ.
Daß in einigen Gebieten Deutschlands der Rückgang der gewerblichenNebenbeschäftigung schon um die Mitte des 19. Jahrhunderts begonnenhatte, ersehen wir, aus den Klagen der zeitgenössischen Literatur, wirdürfen es aber auch schließen aus der Statistik der ländlichen Weberei,die wir für Preußen wenigstens bis 1861 besitzen. Danach war, währenddie als Nebenbeschäftigung gehenden Stühle in den östlichen Provinzen