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Zweiter Abschnitt: Die Arbeitskräfte
Beide Tabellen sind entnommen der fleißigen Arbeit von Friedr.Dettweiler, Die Handarbeit in der Landwirtschaft (1905), 149, 153.
Der Unternehmer hatte also einen wachsenden Bedarf an Saison-arbeitern auf der einen Seite, konnte aber dauernde (Jahres-) Arbeit einerimmer geringeren Anzahl von Arbeitern auf der andern Seite gewähren.
So wie sich die ländliche ArbeitsVerfassung auflöste mit fortschreiten-der Intensivisierung der Landwirtschaft, so zerbrach auch die Arbeits-gemeinschaft in den übrigen Zweigen des Wirtschaftslebens, in denendas Wirtschaftssystem des Handwerks geherrscht hatte. Ich kannhier diesen Niedergang des Handwerks, der eine Folgeerscheinung derkapitalistischen Wirtschaft ist, einstweilen nur als Tatsache verzeichnen,und zwar als eine der Tatsachen, die für die Entstehung einer Zuschuß-bevölkerung ebenfalls von entscheidender Bedeutung ist. DieBegründungdes Vorgangs muß ich mir für eine spätere Gelegenheit aufsparen, dasie nur mit Hilfe einer Gesamtdarstellung des Entwicklungsganges desHandwerks gegeben werden kann: siehe den dritten Haupabtschnitt.
III. Die Auflösung der Hausgemeinschaften
In aller früheren Zeit bis zum Ende der frühkapitalistischen Ärahatte sich das Wirtschaftsleben in weitem Umfange im Rahmen derFamilie abgespielt. Diese war nicht nur Konsumwirtschaft, sondernauch Produktionswirtschaft gewesen, sofern ein sehr wesentlicher Teilder gewerblichen Erzeugnisse im Hause hergestellt worden war. Ichhabe im zweiundvierzigsten Kapitel des zweiten Bandes einen genauenBericht über die Reste der gewerblichen Eigenproduktion erstattet,die am Ende des frühkapitalistischen Zeitalters nicht nur auf dem Lande,sondern auch in der Stadt sich noch vorfanden. Auf dieser gewerblichenTätigkeit hatte die Unterhaltmöglichkeit ganz allgemein der Ehe-Frauen,oft der erwachsenen Kinder und anderer Anverwandter, die dauernd inder Familie lebten, beruht. Diese Bevölkerungsteile hatten mittelsder produktiven Arbeit im Hause sich ihren Lebensunterhalt verdient.
Und nun brach auch diese Wirtschaftsgemeinschaft zusammen undsetzte abermals eine breite Bevölkerungsschicht frei.
Die Gründe für die Auflösung der alten Hauswirtschaft als Pro-duktionswirtschaft liegen deutlich zutage.
Ganz allgemein bedeutete die zunehmende Verbilligung vieler ge-werblicher Erzeugnisse und die Vermehrung der Gelegenheiten, sie aufdem Markte einkaufen zu können, einen starken Anreiz, die gewerblicheTätigkeit im Hause einzustellen.