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Zweiter Abschnitt: Die Arbeitskräfte
Das ist die Lage der meisten früheren Luxusindustrien. „Insofern kanndie gewöhnliche Meinung für richtig angenommen werden, daß diePrachtfabriken in die großen Städte gehören, weil nämlich daselbstihr ordentlicher Absatz ist“, meint Sonnenfels (Grundsätze derPolizey usw. [1771] 2, 109).
Erst mit dem Eintritt in die hochkapitalistische Epoche beginntdie Industrie städtebildend zu wirken. Sie verdankt diese Kraft demZusammentreffen folgender Umstände:
(1) Der Übergang zur Dampftechnik bewirkt oder befördert dieEntstehung der geschlossenen Großbetriebe: die Hausindustriellenwerden aus ihrer Vereinzelung gerissen und nun entweder in dem bis-her nur handelsorganisatorischen Mittelpunkte (der Verlegerstadt)oder an einem sonst geeignet erscheinenden Punkte zusammengehäuft.
(2) Dieser Punkt ist häufig das Kohlenlager, das mm zum An-ziehungspunkte, vor allem auch für die zum Koksverfahren über-gehende Eisenindustrie wird.
(3) Vergrößert wird der Industriekern durch die Neigung zur An-gliederung anderer Industriezweige an eine vorhandene In-dustrie. Die wichtigsten Fälle sind diese:
(a) die Entstehung von Hilfsindustrien: namentlich von Ma-schinenbau- und -reparaturanstalten.
Über die Gründe, die zur Zentralisation der großbritannischen Baum-wollindustrie in der Umgegend von Manchester führten, bemerkt Schulze-Gävernitz, Großbetrieb, 51: „Die Vorteile sind augenscheinlich; so Ver-meidung von kostspieligen Reparaturwerkstätten und Reservevorräten vonMaschinenteilen, deren die einzeln liegende nicht entbehren kann. (Heuteauch Vermeidung von besonderen Gasanstalten usw.) Allenthalben siedeltensich in den Mittelpunkten der Baumwollindustrie neben den Spinnereiendie zugehörigen Maschinenwerkstätten an . . . Die örtliche Konzentrierungmachte ferner erst einen zur Arbeit erzogenen, hochgelernten Arbeiter-stand möglich.“ In gleicher Weise ist die Entwicklung der Züricher oderAugsburger oder Chemnitzer Maschinenfabrikation eine Folge der dortigenSpinnerei und Weberei, diejenige von Pirmasens eine Folge der dortigenSchusterei usw. Andere Beispiele sind: gewisse Chemikalienindustrien,Zeichen-, Modelleur- und Graveurgewerbe u. dgl.
(b) die Entstehung von Komplementärindustrien, wie ich zu-sammenfassend diejenigen bezeichnen will, die sich entweder vorteil-haft an den Produktionsprozeß einer bestehenden Industrie anschließen(Walzwerk oder Gießerei an den Hochofen, Bleicherei und Färbereian die AVeberei), oder die Abfallprodukte einer Industrie verarbeiten(Gerberei und Leimsiederei), oder die zwei in der Nachbarschaft ge-